Von Philip Glass über das Montreux Jazz-Festival und Ikea (To Build A Home) zu Wim Wenders – die Karriere des Patrick Watson streift so illustre wie voneinander divergierende Namen und Anlässe. Doch das übergreifende Interesse an seinem Output scheint seiner Unbeirrbarkeit keinen Abbruch zu tun. Denn schon wie auf dem Vorgänger Adventures In Your Own Backyard verzichtet der in Kalifornien gebürtige Kanadier auf Love Songs For Robots (ab Freitag via Domino Records/GoodToGo) auf jegliche Zugeständnisse, die sich einer bestimmten Quelle der Beeinflussung mehr oder weniger eindeutig zuordnen ließen.

Patrick Watson: "Love Songs For Robots" (Domino Records/ GoodToGo)
Patrick Watson: „Love Songs For Robots“ (Domino Records/ GoodToGo)

Sein Falsett mag zum Repertoire des Unverkennbaren gehören, doch den Kern seines musikalischen Wesens stellt Patrick Watson selbst mit ihm nicht offensiv zur Schau. Seine in zahlreichen Kooperationen unterschiedlicher Genese entstandene Souveränität im Umgang mit seiner kompositorischen und interpretatorischen Eloquenz, sie benötigt offenbar keinerlei Überbetonung einzelner Stilelemente.

Davon zeugt in bescheiden überragender Manier Love Songs For Robots. Laut eigener Aussage ging es Patrick Watson bei diesem Album um eine Überlistung der eigenen Mechanismen, mit denen er sich zu nah am digitalen „Denken“ und „Empfinden“ wähnte. Neugier und Inspiration spricht er der künstlichen Intelligenz ab – und menschelt sich so durch seine dezent souligen (sic!) Tracks, die sofort einleuchten und doch unfassbar bleiben.

„Lush“ ist das Stichwort, die entsprechende Auskleidung erfolgt scheinbar ziellos – und darum umso stringenter. Kaum ist der entrückt sphärische Einstieg mit dem Titelsong verklungen, schon begibt sich das analytisch trachtende Sensorium auf der Suche nach weiteren Anknüpfungspunkten, mit denen sich die Love Songs For Robots im weiteren Verlauf rational entschlüsseln lassen. Doch Patrick Watson macht da nicht mit. Wer sich ohne den Einsatz aufrichtiger Neugierde und naturgegebener Inspiration von ihm bedienen lassen will, der wird für dieses Album womöglich weder die geeigneten, noch die angemessenen Rezeptoren entwickeln können. Viel Schein, mehr Sein. Und viel Vergnügen.

Patrick Watson live:
15.05. Berlin (Grüner Salon)

Places You Will Go:
dailymotion.com/video/x2p5d3j

patrickwatson.net
facebook.com/patrickwatsonofficial

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