Faith No More Mk. II 1/2

Anknüpfung aufgedröselt

Inspiration, Instinkt, Intellekt – was auch immer die fünf gestandenen Herren fortgeschrittenen Alters dazu bewogen haben mag, mit Sol Invictus (ab Freitag, via Reclamation/Ipecac/[PIAS]/Rough Trade) unmissverständlich direkt bei ihren (genau genommen drei) bedeutsamen Alben der Mit- bis Spätneunziger anzusetzen: Die Pflege der eigenen Trademarks hat dazu geführt, sie zu relativieren und angemessen respektlos zu unterlaufen. Unverkennbar Faith No More, aber noch viel mehr als nur das.

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Faith No More: "Sol Invictus" (Reclamation/Ipecac/[PIAS]/Rough Trade)

Faith No More: „Sol Invictus“ (Reclamation/Ipecac/[PIAS]/Rough Trade)

Zum Auftakt gibt uns Mike Patton den diabolischen Leonard Cohen, doch schon nach wenigen Zeilen setzt er zu der nächsten seiner zahllosen Rollen an, in der seine Stimmakrobatik jedem situativen Songkontext gerecht wird. Als konstant dominant erweist sich dagegen das charmant verstimmte Piano. Mit ihm gibt Roddy Bottum den Wuchtgrad vor, mit dem das lustvoll unorthodox verschweißte Material nach allen Seiten prescht.

Sol Invictus zehrt von der (Selbst-) Überwindung. Der olle Geist des Crossover sowie dessen Einebnung im Sinne einer eigenen Signatur (mit der sich FNM auf Album Of The Year vorerst verabschiedeten) treten hinter eine Phalanx gebündelter Kräfte zurück, die keine Altlasten in ihren Reihen zulässt. Insbesondere das bescheiden daherkommende Black Friday gibt diesen Geist in komprimierter Form wieder.

Ansonsten lassen die verdienten Vertrauensverweigerer ihr Ding derart unbeeindruckt von der eigenen Vergangenheit angehen, dass selbst ein ausgewiesener Verweis wie Motherfucker so klingt, als habe man gerade erst auch die offensichtliche Referenz (Epic) gleich mit erfunden. Wer also damals Faith No More als ein Missverständnis zwischen Intention und Rezeption ablehnte, hat nun die Gelegenheit, sich von der Gnade der späten Vorurteilsfreiheit eines Besseren belehren zu lassen.

Faith No More live

29.05. Nürburgring (Grüne Hölle Festival)
31.05. München (Rockavaria Festival)
06.06. Berlin (Zitadelle)
23.06. Hamburg (Sporthalle)

fnm.com
facebook.com/faithnomore

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