Icky Blossoms: Mask

Gretchenfrage geklärt

Nach ihrem mit erstaunlich offenen Armen empfangenen Debütalbum (das sogar einige Zweitverwertungen für TV-Serien etc. abwarf) steht für das aus Omaha, Nebraska stammende Trio mit Mask (Saddle Creek/Cargo) die Gretchenfrage an: Wird ihr Glaube an die Belastbarkeit des Zeitgeschmacks stark genug sein, um den Verlockungen der veritablen Eindimensionalität zu widerstehen? Icky Blossoms erweisen sich als Agnostiker und somit als hinreichend gewieft, um die Schere zwischen Kunst und Kommerz stumpf zu schleifen.

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Icky Blossoms: "Mask" (Saddle Creek/Cargo)

Icky Blossoms: „Mask“ (Saddle Creek/Cargo)

Der Opener In Folds erinnert schon mal fix an die kanadischen Stars und ihren letztjährigen Emo-Schwoof From The Night, wenn auch weitaus weniger euphorisierend. Eher vorausschauend gehemmt als geradewegs der Eindeutigkeit anheim fallend, wird dieses Fahrwasser erst wieder bei dem mit buttriger Konsistenz versehenen Wait wieder aufgegriffen.

Doch dann folgt mit dem EBM(!)-lastigen Schocker Silver Tongue sowie dem mit No Wave-Gitarrensprengseln und tribalem Drum-Programming aufmarschierendem Terror Nothing eine mephistophelische Ketzerei, die dem Pop-Appeal gehörig ins Taufbecken strullt.

Dazwischen dominiert jedoch das säkularisiert Kurzweilige: Living In Fiction lässt Sängerin Sarah Bohling unbehelligt auf den Spuren von Kim Wilde wandeln, Away From You tangiert dank seiner perkussiven Gimmicks und melodiösen Schrägsounds das Artifizielle von Deadsy, während Want You So Bad (mit Post Rock-Gitarren-Outro) und das wavige The Spiral deutlich weniger Haken schlagen. Fehlt noch das e-clashige Phantasmagoria und aus Mask wird ein Schuh, der den Icky Blossoms einen ausgesprochen schlanken Fuß macht: Mit Polygamie und Polytheismus zur Antwort kann Gretchen getrost ungeleitet – und demaskiert – nach Hause gehen.

ickyblossoms.com
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