Die Zeiten, in denen auf dem WGT eine Diamanda Galas bereits gegen High Noon das Nervenkostüm zutiefst erschütterte, scheinen vorerst vorbei. Generell begannen die Live-Acts dieses Jahr erst im Anschluss an den Fünf-Uhr-Tee. Die Gründe hierfür werden noch zum Gegenstand der weiteren Nachbetrachtung werden. Doch zunächst will jenes Pensum erörtert sein, das in lautstarken Abendstunden Appetit aufs gemütliche Feierabendbier am frühen Morgen machte, wo die frischen Eindrücke in geselliger Runde einer vergleichenden Analyse unterzogen wurden.

(wave-gotik-treffen.de)
(wave-gotik-treffen.de)

Redaktionslieblinge Stoneman eröffneten den Samstag im Kohlrabizirkus. Und überzeugten auf ganzer Linie. Signifikante Modifikationen an ihrem inzwischen überaus bewährten Goldmarie-Programm hielten das Unterhaltungsniveau auf einem stabilen Dauerhoch. Selbst wer Stoneman schon auf den diversen Touren (etwa mit Megaherz oder Tanzwut) erleben durfte, konnte sich an neuen Details in Sound und Präsentation erfreuen, wobei Sänger Mikki Chixx in Sachen Fitness seinem Schuhwerk alle Ehre machte. „Und ich wünsche mir noch Zeit in dieser Welt, aber der rote Vorhang fällt“ – ohne Vorhang (dafür mit Goldregen aus der Schnitzel-Kanone zur Huldigung der Goldglänzenden kurz zuvor) musste auch das entzückendste Konzert leider ein Ende haben.

Stoneman, Kohlrabizirkus (Stephan Wolf)
Stoneman, Kohlrabizirkus (Stephan Wolf)

Während also Stoneman wie auch die sich anschließenden Heldmaschine zügig aus den Puschen kamen, benötigten Moonspell eine kurze Weile, um auf Betriebstemperatur zu kommen, was insbesondere für Fernando Ribeiros Stimmbänder problematisch zu sein schien. Doch bis zum Grande Finale (mit Full Moon Madness) steigerten sich Frontmann und Band in ein rauschhaftes High, das sich dunkelmagisch aufs Publikum übertrug.

Anschließend war es für Fields of The Nephilim ein leichtes Spiel, die von Moonspell evozierte Stimmung aufzugreifen und weiter zu vertiefen. Als 30. Jubiläumskonzert angekündigt, blieben (wenig überraschend) Überraschungen weitgehend aus, so dass gegen Ende der staubtrockenen Angelegenheit eine bezeichnende Feststellung die Runde machte: „Carl McCoy ist und bleibt eine coole Sau“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert