Teilpremiere von MAYBEBOP: „Wir sind WENIGER als einer MEHR“

Teilpremiere der norddeutschen Band MAYBEBOP im tief verschneiten Kieler Schloss am 20. März: weder die durchweg fallenden dicken Schneeflocken lassen am Frühlingsanfang an „den Lenz“ denken noch das 1960er-Jahre Gebäude an ein Schloss. Klar: es braucht erstmal kräftige „Eisbrecher“. Mit einem Weihnachtsprogramm-Gag und dem Covern von „Es ist Sommer“ wärmen die vier Musiker an – und beim Mitsingen taut das Publikum dann richtig auf und befolgt, wozu die Band aufforderte: „Singt’s euch von der Seele, lasst es raus!“

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Das Kieler Publikum hat sich passend eingefunden: zur Teilpremiere ist der Konzertsaal gut „teilgefüllt“ – und die anwesenden Zuhörer sind ganz dabei. Eine schwierige Anfangsaufgabe: zwei „Freiwillige“ sollen erraten, zu welchem deutschen Lied die Melodie gehört, die die vier Musiker mit anderem Text singen. Sie wollen damit das Publikum für die Lieder und natürlich auch fürs eigene Singen begeistern und bekennen in ihrer ironischen Art: „Altes Liedgut ist uns wichtig“. Und die Melodie von „Der Mond ist aufgegangen“ muss erstmal erkannt werden, wenn dazu geträllert wird: „Alle Vöglein sind schon da“…

Passend zum "weissen Frühlingsanfang" in Kiel: MAYBEBOP Quelle: www.maybebop.de

Passend zum „weissen Frühlingsanfang“ in Kiel: MAYBEBOP Quelle: www.maybebop.de

Mit ihren eigenen „alten Liedern“ wie die tiefgehende Metal-Version vom „Erlkönig“ oder auch ihr schaurige Interpretation vom „Kleinen grünen Kaktus“ nahmen sie die Zuhörer souverän mit in ihre Stimm- und Wortakrobatik.

Anfangs mussten die Zuschauer Aufgaben lösen – und zum Schluss stellten sich Oliver Gies, Jan Bürger, Sebastian Schröder und Lukas Teske selber vor noch wesentlich schwierigere Herausforderungen: das Publikum rief Schlagworte und Musikrichtung zu und das „Superhirn“ Oliver machte daraus in kürzester Zeit einen coolen Raggae- sowie einen groovigen Metal-Song. Wie Meteor, Lehrer, Steuerberater und Wäschetrockner zum Frühlingsanfang passen – schon um diesen kurzlebigen „Superhit“ live und „in Echtzeit“ entstehen zu sehen lohnt der Konzertbesuch voll!

Dass den Musikern neben dem Wortwitz auch die Mathematik liegt, dies zeigen sie ja schon durchs Aufaddieren von Teilpremieren zur Premiere. Und ihr Name ist auch das Ergebnis einer „Rechenoperation“: aus „Maybe“ und „Bebop“ wird einfach das gedoppelte „be“ herausgekürzt. Damit ist MAYBEBOP also „vielleicht Bebop“ – es hätte aber auch jede andere Musikrichtung sein können!

Dementsprechend vielfältig ist ihr Konzertprogramm und schreckt in gekonnt ironischer Art auch nicht vor Beiträgen zu wichtigen Menschheits-Problemen zurück, wenn sie erklären: „Burger schmecken prima – doch sind sie schlecht für’s Klima!“ Im neuen Song zeigen sie mit Gesang und Pantomime, wie dies Problem gelöst werden kann: „Esst mehr Insekten“. Ebenso gibt’s Tipps für persönliche Lebenskrisen, wenn Bass Sebastian tröstlich betont: „Ist der Krater noch so tief – mir bleibt der Brief…“

Für meinen Geschmack gelingt ihnen aber leider die sonst so treffsichere Balance zwischen Witz und Ernst nicht, wenn sie über Glaube, Kirche und Tod singen. Mathematisch gesagt: der eine Song kann prozentual (fast) vernachlässigt werden.

Im äußerst unterhaltsamen Konzert vergingen zweienhalb Stunden mit lange anhaltenden, riesigen Applaus und vier Zugaben extrem schnell. Danach konnte erstaunt festgestellt werden: Frau Holle ließ sich offensichtlich nicht von wärmender Musik beeindrucken und hatte eine dicke Schneeschicht während des Konzertes am Frühlingsanfang aufgetragen…

Premiere „WENIGER SIND MEHR“ am 6. April in der Hamburger Laeiszhalle, 20 Uhr.

Ein „altes Lied“ von MAYBEBOP:

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.