Vorgeblich überwiegend von Hunden handelnd (man beachte das Cover!), reizt das Trio Falling Stacks aus Bristol auf seinem Premieren-Longplayer No Wives (Battle Worldwide Recordings/Soulfood) mit einer unspezifischen Artikulation animalischer Gemütszustände, die auch und vor allem der Viecher bester Freund nur in erstarkten Momenten auszuhalten versteht. Primär der Albini-Schule entsprungen, erregen Falling Stacks hochgezogene Augenbrauen – mit Sekundärtugenden wie Songundienlichkeit und einem entsprechend kategorischem Aufbegehren gegen Schemata und Dissonanzphobien.

Falling Stacks: "No Wives" (Battle Worldwide Recordings/Soulfood)
Falling Stacks: „No Wives“ (Battle Worldwide Recordings/Soulfood)

Dass die Band sich selbst deutlich weniger ernst nimmt als die Umstände, die zu No Wives geführt haben mögen, setzt sich als Tonart der Tünchung durch: Verstörung und Verwahrlosung auf humoristische Weise aufbereitet, gelingen gängige Strukturen auf Nebenschauplätzen. In der Hauptsache bleibt das Album eine knochenmehltrockene Angelegenheit, der sanguinisch lockende Bass von Los Ticos nur ein Beispiel für die Ungezogenheit, mit der Falling Stacks ihre strapazierfähigen Miseren unterwandern. Konkret: Fugazi waren im Vergleich stets viel zu verbissen, um sich der enervierenden Beißhemmung der Briten GR, MM und JW anzunehmen.

Das Räudige in Schach zu halten und es gerade dadurch hochzuzüchten: A Fly Would Slide oder Silverware zeigen exemplarisch, wie das geht, so es verdammt noch mal zu gehen hat. Falling Stacks erzwingen mit ihrem „Frowncore“ eine Unbehaglichkeit, die an das Schrittkratzen beim erzwungenen Auftragen von verschwitzten Glaswollhosen, an nicht enden wollende Fronleichnamsprozessionen schäbiger Sommer und an den unerträglichen Nachdurst der Kontingenz erinnert. Oder auch einfach nur an eine Migräne, die auftritt, wenn man sowieso nichts besseres zu tun hat. Not very British, indeed. But very amused.

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