Eidos: Kingcrow nehmen Gestalt an

Erwachsene Entscheidungen

Mit Eidos (Sensory Records/Alive, ab Freitag) beenden die italienischen Prog-Metaller Kingcrow ihre Trilogie über Kindheit (Phlegthon), Adoleszenz (In Crescendo) und – nun – erwachsener Reife, die sich als ein ständiger Entscheidungsprozess offenbart. Angeblich (noch) dunkler und progressiver als zuvor, erweist sich das Album vor allem als die bislang kompositorisch ausgewogenste und interpretatorisch variabelste Leistung der zuletzt Pain Of Salvation und Fates Warning auf Tour begleitenden Römer.

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Kingcrow: "Eidos" (Sensory Records/Alive)

Kingcrow: „Eidos“ (Sensory Records/Alive)

Dass bei kaum einer Genreband, die sich irgendwie, irgendwo, irgendwann etwas mit „Metal“ auf die Fahnen geschrieben hat, auf den Verweis einer Zunahme an Düsternis (und/oder „Härte“) verzichtet wird, um die umkämpfte Aufmerksamkeit auf einen neuen Output zu lenken – geschenkt.

Bei Eidos hätte aber ausnahms- und fairerweise darauf verzichtet werden können, da sich hinsichtlich der vertikalen Parameter kaum signifikante Abweichungen von dem bis dato Gewesenen abzeichnen. Wer Kingcrow gerecht werden will, verweise demnach lieber auf die deutlich prononciertere Melodik, die Eidos in besonderem Maße von seinen Vorläufern auszeichnet.

So gestaltet sich etwa Open Sky als ein Paradestück der gewonnen Souveränität im Umgang mit Harmonien und Catchyness. Auch wenn das Niveau dieses positiven Ausreißers nicht durchgängig gehalten werden kann, erweist sich das Sextett nunmehr als in der Lage, auch schwächere Ideen mit detailliert ausgefeilten Beiwerk interessant auszugestalten. Selbst wenn es sich dabei auf den stets einwandfreien Vortrag ihres Sängers Diego Marchesi verlassen kann, wurden diesmal kontinuierlich Zeichen gesetzt, die deutlich machen, dass man nicht mehr gewillt war, Zweitrangigkeit zuzulassen.

Nicht immer alles auf einmal: Kingcrow (Sensory Records)

Nicht immer alles auf einmal: Kingcrow (Sensory Records)

Im Ergebnis greifen die ins Spiel gebrachten Elemente, zu denen auch akustische Gitarren, Saxophon und Piano im Soli-Modus gehören, fugenlos ineinander – und lassen dabei auch sich selbst genügende Passagen zu. Kingcrow haben wohl erkannt, dass sich ein starkes Album nicht unbedingt durch das pausenlose Verheizen von Attraktionen auszeichnet. Etwas mehr Arthouse gewagt, auf Holly- und Bollywood tendenziell verzichtet: Für Eidos wurden die richtigen Entscheidungen getroffen.

The Moth:
youtube.com/watch?v=a4Giy35m410

kingcrow.it
facebook.com/kingcrowband

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