Interview mit Holger (In Mitra Medusa Inri)

„Es wird nur noch gekannt, was Markt und Medien aktuell anbieten.“

Mit einer neuen Labelheimat (Danse Macabre) versehen, schickt sich die Gothic Darkwave-Institution In Mitra Medusa Inri an, auf ihrem seit über zwei Jahrzehnten leidenschaftlich begangenen Weg weiter fortzuschreiten. So steht zum Jahresende ein neues Album an, dem aktuell die Download-EP The Excitement vorangeht. Im Gespräch ließ es sich der auch als „Herr Direktor“ bekannte Bandnucleus Holger nicht nehmen, auch grundsätzlich kritische Anmerkungen zum Stand der Schwarzen Szene einzubringen, ohne darüber das eigene Schaffen sowie die kommenden Live-Auftritte von IMMI – darunter auf dem Gothic Castle – zu vergessen.

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"Der Herr Direktor" Holger, In Mitra Medusa Inri (inmitramedusainri.com)

White Is The New Black: „Der Herr Direktor“ Holger, In Mitra Medusa Inri (inmitramedusainri.com)

amusio: „Über lange Jahre hinweg schien In Mitra Medusa Inri unter anderem eine eigentümliche Art der Kontinuität auszuzeichnen. Ihr wart zwar nicht durchgängig präsent, dabei aber auch nie ganz verschwunden. Wie stellt sich die Bandhistorie aus Deiner Sicht dar?“

Holger: „Ich habe die Wechselhaftigkeit unserer Präsenz nie als solche empfunden. Auch in Phasen, in denen wir von Veröffentlichungen abgesehen haben, sind wir stets aktiv geblieben. Wir haben Dinge ausprobiert und viel experimentiert, vor allem aber sind wir immer mit etwas beschäftigt geblieben, das uns Freude bereitete. Die Diskontinuität war also nicht direkt geplant, wohl aber auch der Weigerung geschuldet, uns vertraglich über einen längeren Zeitraum an ein Label zu binden, das von uns turnusmäßiges Abliefern erwartet. So entzogen wir uns erfolgreich sämtlichen Zwängen – und erwiesen uns zugleich als gewappnet gegenüber dem Gängigen. Für uns zählte und zählt nur das, was uns wirklich beschäftigt. Zugeständnisse gegenüber Trends, die immer ein Abweichen von den eigenen Interessen als Künstler und Musiker einfordern, haben wir uns und unseren Hörern lieber erspart.“

amusio: „Euch selbst treu zu bleiben und dabei eine gewisse Form von Zeitlosigkeit zu prägen – entspricht dies dem Kern Eures Wesens?“

Holger: „Von 1996 und unserem ersten Album Long Forgotten World an, haben wir die für uns typischen Elemente immer wieder neu aufgegriffen und weiterentwickelt. Dabei verfolgten wir kein übergeordnetes Konzept, vielmehr stand jedes Album für sich im Fokus – und auf jedem Album der einzelne Song. Hinzu kommt, dass ich mich weder verstellen kann noch will. Mein Gesang weist unsere Songs unverkennbar als von In Media Medusa Inri stammend aus. Auch unabhängig von der jeweiligen Ausrichtung, die im Wesentlichen ohnehin stets die gleiche geblieben ist. Kompromisse in Bezug auf Szenemoden – sei es Futurepop, sei es Mittelalter – sind wir zu keiner Zeit eingegangen. Im Gegensatz zu vielen guten Bands, die sich in dieser Hinsicht leider verstellen.“

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