Neben den ganz großen Namen tauchen auch im diesjährigen Angebot des Amphi-Festivals wieder Programmpunkte auf, die positive Überraschungen und ganz besondere Erlebnisse in Aussicht stellen. Dabei fällt so mancher der weniger bekannten Namen zunächst einmal besonders klangvoll aus. So etwa der von Henric de la Cour (bürgerlich-blaublütig: Paul Henric Dornonville de La Cour). Der schwedische Charismatiker verbindet leidenschaftlich vorgetragenen Darkwave feinster Prägung mit einer Signatur, die leibhaftig authentisch und eng mit seinem persönlichen Schicksal verbunden ist.

(amphi-festival.de)
(amphi-festival.de)

Als Henric de la Cour im vergangenen Jahr seinen vierzigsten Geburtstag begeht, hat er die durchschnittliche Lebenserwartung eines an Mukoviszidose Erkrankten überschritten. Dabei erfreut er sich eines weitgehend stabilen Gesundheitszustands, was angesichts der unheilbaren Krankheit und ihrem üblichen Verlauf an ein Wunder grenzt. Sogar eine Vaterschaft ist ihm nicht verwehrt geblieben.

Wie Henric de la Cour sein Leben mit dem im Alter von fünf Jahren diagnostizierten Handicap gestaltete – und sich die Nähe zum Tod in einer Distanz zur Lebensauffassung „gesunder“ Menschen äußerte – wird anhand eines mehr als sehenswerten Dokumentarfilms des Regisseurs Jacob Frössén auf ergreifende Weise deutlich. Dieses feinfühlige Portrait des Künstlers sollte man gesehen haben, auch um sein eigenes Verhältnis zu Leben und Tod eventuell zu überdenken.

Doku-DVD: Henric de la Cour (Progress/Broken Silence)
Doku-DVD: Henric de la Cour (Progress/Broken Silence)

Unbedenklich und mindestens ebenso nachdrücklich zu empfehlen ist eine Auseinandersetzung mit dem musikalischen Werdegang des Schweden. Mit Yvonne, seiner ersten ernstzunehmenden Band, gelingt es ihm, sich in der Heimat zu etablieren. Auch in Deutschland werden zumindest einige Kritiker auf die Band aufmerksam, deren Top-Album Hit That City hierzulande im Zuge von 9/11 unter dem Titel Lost in The City Nights veröffentlicht wird.

Aus Yvonne geht anschließend Strip Music hervor, deren Mission Statement genügen dürfte, um Ansatz und Klang der Formation zur Genüge anzudeuten: „We believe in simplicity. We believe in not holding back. We believe in despeartion. We believe in Sturm und Drang. We believe in euphoria. We believe that more is more. We believe in the sound of string machines and we believe in those three chords that we all love.“

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