Andreas Spechtl begibt sich in die Arme von Hypnos und Morpheus und nimmt von Ja, Panik so gut wie nichts mit. Sein sich jeglicher Griffigkeit stets entziehende Soloalbum Sleep (Staatsakt/Caroline/Universal, ab nächsten Freitag) müffelt zwar verdächtig nach überstrapaziertem Kunstanspruch, vermag aber seine Unverbindlichkeit auch als Easy Listening-Übung zu deklarieren. Allzu aufregend gestalten sich die Träume des Spechtlschen Schlafes jedoch nicht. Aber das hat er ja auch gar nicht behaupten wollen.

Sleep: "Sleep" (Staatsakt/Caroline/Universal)
Sleep: „Sleep“ (Staatsakt/Caroline/Universal)

Denn schließlich heißt sein Album Sleep und nicht etwa „Dream“. Entsprechend geriert sich der manifeste Rest an Ereignishaftigkeit wie im Halbschlaf wahrgenommene und anschließend unbeabsichtigt surrealisierte Normalzustände diverser Natur.

Der sich mal dezent, mal dezidiert in Szene setzende Bläsereinsatz verdrängt (wie bei dem zumindest exzellent betitelten Hauntology) den magischen Realismus der von Andreas Spechtl eingeführten Field Recordings. Taktil verwertbar bleibt dagegen die eigentümliche Germanophobie von After Dark, doch auch nur aufgrund der hier vernehmbar gesteigerten Akzentuierung des Textbeitrags.

Die Parallelität von gebrochener Absenz und lauterer Alertheit evoziert eine treffliche Metaphorik. So oder so ähnlich mag sich Schlaf allgemein konstituieren und individuell wieder rekonstruieren. Ob dies nun für oder gegen die Genussoptionen des Albums spricht, mag angesichts dieser Methode nur noch im Sinne eines entwerteten Kriteriums entschieden werden. Es empfiehlt sich der Selbstversuch: aufmerksamer Schlafen mit „Sleep“. Dem persönlichen Erleben stehen die Strukturen des österreichischen Denkers dabei kaum entgegen. Die somnambule Spurensuche verwischt ihre Funde. Besonders – und in genannter Hinsicht auch besonders gelungen.

ja-panik.com
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