Tame Impala spielen mit Strömungen

Psychedelischer Pop-Exkurs

Heute offenbart sich Currents, das neue Album von Tame Impala (Caroline/Universal) – nicht nur einer bisweilen ausgesprochen breiten Öffentlichkeit. Denn Vordenker Kevin Parker mischt der bewährten Modern Psychedelia überreichlich unbescholtene Pop-Elementen unter, die zwar nicht direkt aufs Airplay abzielen, indirekt jedoch das Zeug dazu haben, auch von der Bandhistorie noch unbefleckte Zielgruppen zu erschließen. Als ob es Tame Impala um eine strategisch ausgerichtete Zielgruppenansprache ginge.

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Tame Impala: "Currents" (Caroline/Universal)

Tame Impala: „Currents“ (Caroline/Universal)

Ob jedoch im Umkehrschluss die für Tame Impala neuartige Darreichungsform („wie aus einem Guss“) das Zeug dazu hat, die ohnehin zugeneigten Hörerschichten aus dem leicht entrückten Schlurfen zu bringen – es steht kaum zu vermuten. Im Gegenteil: Die auf schlüssig galante Nenner gebrachten Kompositionen erschließen auch erwartungsvoll an sie herangetragener Tiefenwirkung ein neues – und somit ungemein reizvolles – Terrain.

Yes, I’m Changing verkündet Kevin Parker frank und frei an vierter Stelle, dabei hat er mit dem annähernd achtminütigen Opener Let It Happen sein stärkstes Argument bereits veräußert. Was dieser Track mit Tendenz zum Übersong aufschlägt, bleibt bis zum gleichermaßen einnehmenden Finale (New Person, Same Old Mistakes) geöffnet.

Was die Australier auf Currents mit den Mitteln eines globalen Pop-Verständnisses anno 1985 für die Tagesaktualität ausformulieren, entspricht – Achtung, gewagte These – in etwa dem, was die Fairport Convention mit den Mitteln der Folk-Nische für den Britpop der sehr späten 60er/sehr frühen 70er geleistet hat. Das muntere Verwischen geborgter Klangmoden scheint im Hause Tame Impala zu kreativen Schüben geführt zu haben, die nicht der fortlaufenden Modifikation bedürfen, um jene Spannung zu erzeugen, mit der ein graduell gleichförmig gestricktes Album wie Currents Attraktion an Attraktion zu reihen scheint. „The Less I Know The Better“ – die Möglichkeit einer Disko.

Tame Impala Live:
13.09. Berlin (Lollapalooza)

tameimpala.com
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