Ex-Pipettes Sängerin Gwenno (Saunders) veröffentlicht morgen ihr Album „Y Dydd Olaf“ (Heavenly [PIAS] Coop/Rough Trade) zum zweiten Mal. Zum Glück. Denn als vergriffene Erstauflage ein Schattendasein zu fristen, das wäre angesichts der zauberhaft austariert zusammengeführten Bestandteile aus Kraut-Beat, 60ies Pop-Flair und eleganter Electronica ja auch eine Schande gewesen. Benannt nach einem walisischen SF-Roman (dt. „Der letzte Tag“), bergen die sich – bis auf eine Ausnahme (das kornisch gesungene Amser) – der kymrischen Sprache bedienenden Songs eingängig gestrudelte Preziosen aus retro-futuristischer Entrücktheit und Verzückung.

Gwenno: "Y Dydd Olaf" (Heavenly [PIAS] Coop/Rough Trade)
Gwenno: „Y Dydd Olaf“ (Heavenly [PIAS] Coop/Rough Trade)
Vielleicht ist es ab und an schon ganz in Ordnung, (und gleichermaßen bedauerlich) dass sich die Texte dem allgemeinen Verständnis entziehen. Denn dem Vernehmen nach verhandelt Gwenno Saunders darin recht ernste Themen, nicht zuletzt wird der Verlust von Sprache und Identität aufs Tapet gebracht. Auch ist der unbekümmerte Pipettes Mädchen-Sound allenfalls noch in Spuren aufzufinden. Auf Y Dydd Olaf präsentiert sich eine autonom gereifte Musikerin, die gemeinsam mit Produzent Rhys Edwards ein leichtes, aber nie leichtgewichtiges Verständnis von wertbeständiger Ertüchtigung an den Tag legt.

Dabei wirkt sie ihre feinsinnigen Melodien eher dezent in ihre unterhaltsamen Arrangements ein. So als wolle sie den Oberflächen nicht allein ihr Vertrauen schenken, achtet sie auf den ständigen Zufluss von organisch gefassten Schnörkeln, die das Klangbild farbenfroh und dicht texturiert zugleich erscheinen lassen. So sorgt das knapp zweiminütige Intermezzo Dawns Y Blaned Dirion für einen entschieden historisierenden Schub unbestimmter Nostalgie, von dem Y Dydd Olaf ansonsten eher latent durchzogen bleibt. Bleibenden Eindruck hinterlässt Gwenno Saunders selbstverständlich auch mit ihrer Stimme, die ab und an besonders angenehm an Virginia Astley erinnert (Golau Arall). Dass kymrisch dabei so angenehm klingt, mag fortan nur angesichts manchen Schriftbilds erstaunen: Stwff!

Calon Peiriant (fideo):
youtube.com/watch?v=PXMT5fL3cKg

gwenno.info
facebook.com/Gwennomusic

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