Gut unterrichteten Kreisen ist Nico Poisson aus Lyon auch als ein Drittel des Freepunk-Trios NED („danse, amour & chaos“) geläufig. Als Sathöney und mit seiner EP Gaziosmanpasa (Atypeek Music/S.K. Records) dürften sich weitere Bekanntheitsgrade erschließen, zumal der musikalische Fokus hier ganz woanders liegt. In guten, auf vier Tracks verteilten 28 Minuten versetzt Monsieur Poisson eine (in seinem Fall türkisch-stämmige) Saz in einen für sie ungewohnten Kontext zwischen Ambient, Tanzpop-Psychedelia und, öhm, Weltmusik.

Sathönay: "Gaziosmanpasa" (Atypeek Music/S.K. Records)
Sathönay: „Gaziosmanpasa“ (Atypeek Music/S.K. Records)

Saz hin oder her: Sie dient in erster Linie – wie sämtliche weiterhin auf Gaziosmanpasa stattfindenden Klangerzeugungsgeräte (Stimme, Cello, Violine, Drumcomputer etc.) auch – der Erschaffung von zwielichtiger Stimmung, dräuender Atmosphäre und schwirrendem Flow. Ein Titel wie Hey Ma, I’m Your Dad nimmt dem Ganzen etwas am Verdacht überzogener Schwere, die Schwerelosigkeit wird indes erst bei dem sich mit Bestimmheit ungebunden entfaltenden Adventure 3, das zum Abschluss vom immensen Potential dieses seltsam vertraut anmutenden Soundgebräus kündet.

Woher die Vertrautheit stammt, lässt sich nicht klar bestimmen. Allzu offensichtliche oder gar unverkennbare Einflüsse weist Sathöneys Entwurf nicht auf. Wer wohlige und dabei leicht verdauliche „Experimentalmusik“ zu schätzen weiß, wird locker eigene Assoziationen entwickeln, die zu probaten Plausibilitäten führen. Wichtig erschient nur festzuhalten, dass Nico Poisson die vermeintliche Exotik der melodieführenden Sax keineswegs dazu missbraucht, orientalische Klischee-Folklore heraufzubeschwören. Die Musik spricht hier, mal wieder, in ausgezeichneter Weise nur für sich selbst.

Sathöney (solo) – live:
youtube.com/watch?v=F6JYjeSFD80

sathonay.com
sathonay.bandcamp.com
facebook.com/pages/Sathönay/126880474149029

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