Die Verführungskunst des Ricardo Donoso

Psychologie des Urvertrauens

Der aus Rio stammende und in Boston residierende Komponist, Perkussionist und elektronische Musiker Ricardo Donoso legt mit Machine To Machine (ab Freitag via Denovali/Cargo) ein Album vor, das im Vergleich zu den beiden eher schwer zugänglichen Vorläufern (A Song For Echo sowie Sarava Exu) mit klar akzentuierten Strukturen und Sounds zu überraschen weiß. Als eine Auseinandersetzung mit der angewandten Psychologie von Marketing und Marktforschung konzipiert, entfaltet Machine To Machine auch ohne das Wissen um seinen Gegenstand eine überaus einnehmende Wirkung.

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Ricardo Donoso: "Machine To Machine" (Denovali/Cargo)

Ricardo Donoso: „Machine To Machine“ (Denovali/Cargo)

Ein majestätisch modulierter, geradezu verräterisch betitelter Opener (Akrasia) weist den Weg in ein Album, dessen Doppelbödigkeit zwar erahnt werden kann, doch darum nicht zwangsläufig Misstrauen schürt, wenn es um eine rationale Verortung der sich in überwiegend moderat beschleunigter Abfolge evozierten Geschehnisse geht. Mögen auch (die Geschichte der) Massen- und Marktpsychologie sowie die Anwendung entsprechender – mit der Manipulation von Bewusstsein und Wahrnehmung einhergehender – Erkenntnisse zum Ausgangspunkt der musikalischen Investigation anerkannt werden, bedarf es keineswegs eines vorformulierten Bezugsrahmen, um das Dargebotene über den direkten Weg vorurteilsfreien Genusses angemessen erfassen zu können.

Diese Feststellung, die (offen zugegeben) auf eine erhöhtes Interesse an Machine To Machine abzielt, führt wiederum auf den Kern des Klang – und Wohlklang – gewordenen Sujets zurück. Ist denn nicht die idealerweise unbedingte Barrierefreiheit aller Manipulatoren Gral? Zielt nicht alles Wissen um die präzise Beeinflussung von individueller und kollektiver Wahrnehmung auf die merkantile Urbarmachung ab? Im Spätkapitalismus, wo der selbst der Anschein politischer Teilhabe von Marktstrategen gestaltet wird, stellt sich die Frage, ob dem „wirklich“ so ist … schon längst nicht mehr. Und auch die Hoffnung, sich mit den Mitteln der Kenntnis von Praxis und Methode gegen die permanente Infiltration wappnen oder wehren zu können, stellt sich letztlich als Ausdrucks eines Unbehagens dar, das von den exzellent raffinierten Wahrnehmungsversuchungen selbst geschürt wurde.

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