Amphi-Festival 2015 (Reprise 1)

Jungfernfahrt in schweren Wettern

Samstag, 11:30h - Bonjour Tristesse? (Stephan Wolf)

Samstag, 11:30h – Bonjour Tristesse? (Stephan Wolf)

Nun hieß es allerdings sozusagen „Friss Vogel!…oder amüsier dich irgendwie anderweitig!“: Wem die im Ovalrund aktiven Bands wenig oder gar nicht zusagten, musste sich mit dem Aufenthalt im eng abgesteckten Umlauf begnügen, der sich nur noch mit einem Besuch der völlig stimmungsneutralen Magistrale (Shopmeile) ausweiten ließ. Mag also sein, dass sich im Innern der (abseits der Bühne) unbeleuchteten Mega-Schüssel – day for night – manch ein Besucher zunächst einmal etwas deplatziert gefühlt hat, so der Sog der Bühnenereignisse nicht dazu ausreichte, die Sinne zu bannen.

Mit der Sogwirkung taten sich insbesondere die primär simpel-rhythmisch fixierten Acts schwer. Selbst den ursprünglich (und sinnvollerweise) als Headliner der Green Stage vorgesehenen Altmeistern Gabi Delgado und Robert Görl (DAF) war es nicht vergönnt, ein fünfstelliges Publikum heterogener Interessen und Launen komplett mitzunehmen. Unverwüstliche Gassenhauer vom Schlage Der Mussolini einmal in einer Mega-Event-Arena vernehmen zu können, barg indes seinen ganz besonderen Reiz. Den in dichten Reihen feiernden Fans von Bands wie The Crüxshadows, The Birthday Massacre oder Agonoize konnte es freilich schnuppe sein, wenn in weiten Teilen von Innenraum und Rängen gepflegtes Desinteresse die Runde machte. In dieser Hinsicht kam die auf den Bühnenradius fixierte (und somit etwas unterdimensionierte) Ausrichtung von Sound und Licht den gegebenen Interessenskonflikten durchaus entgegen.

DAF in der Arena (Stephan Wolf)

DAF in der Arena (Stephan Wolf)

Es war an Goethes Erben, Aufwand und Umfeld in ein überzeugendes Verhältnis zu setzen. Mit Auszügen aus ihrem Musiktheaterprogramm Menschenstille, das Mastermind Oswald Henke samt Ensemble zur Aufführung brachte, ging die Rechnung auf. Das anfängliche Fremdeln schlug nach und nach in eine Begeisterung um, die den Spielort zum Ende hin vollständig in Beschlag genommen zu haben schien. Anschließend genossen Front 242 und insbesondere And One die Gunst der vorgerückten Stunde. In der Annahme, weitestgehend ihr angestammtes Publikum vor sich zu haben, agierten beide Top-Acts entsprechend souverän, wobei es Steve Naghavi und Co. – gekonnt ist gekonnt – locker und agil verstanden, eine fulminante Party in eigener Sache zu feiern. Die weniger zugeneigten Festivalbesucher mochten sich zu diesem Zeitpunkt auf der Aftershowparty befunden oder sich – im Hinblick auf den kommenden Tag – bereits zurückgezogen haben. Da die Wettervorhersage einen Ablauf nach Plan versprach, war die Vorfreude auf den Sonntag allenthalben spürbar.

Fortsetzung morgen

amphi-festival.de

 

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