Tom Wilson - Lee Harvey Osmond

Zarter Schmelz, rauer Kern

Lee Harvey Osmond – wer den Namen schon einmal vernommen zu haben meint, könnte sich irren. Denn nicht nach Dallas sondern nach Ontario führt die Spur zu einer Stimme, die es hierzulande dringend zu entdecken gilt: der von Tom Wilson, seines Zeichens Nucleus des Bandprojekts mit dem merkwürdig merkfähig personifizierten Namen. Nachdem er sich mit den Bands Junkhouse und Blackie And The Rodeo Kings bereits einen ausgezeichneten Ruf erworben hat – und zudem als Gallionsfigur des kanadischen Acid Folks Ansehen genießt – dringt er auf dem dritten LHO-Album Beautiful Scars (Latent Recordings/H’ART) erneut in die Tiefe zeitloser Blues-Finessen ein.

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Lee Harvey Osmond: "Beautiful Scars" (Latent Recordings/H'ART)

Lee Harvey Osmond: „Beautiful Scars“ (Latent Recordings/H’ART)

The band formerly known as „LeE HARVeY OsMOND“?! Zwar wurde für Beautiful Scars auf die eigenwillige Schreibweise verzichtet, doch geblieben ist eine besondere Qualität, für die neben Tom Wilson u.a. Michael Timmins (Cowboy Junkies) und Josh Finlayson (Skydiggers) verantwortlich zeichnen. Wie schon die beiden Vorgänger (A Quiet Evil, The Folk Sinner) erweist sich das aktuelle Großereignis als atmosphärisch unbeirrt und bis ins feinste Detail gleichermaßen ausgefeilt wie ausgereift. Wieder trifft eine tiefschürfende Vitalität, die von Tom Wilsons Bariton ausgeht, auf erlesenes Songmaterial, sodass sich Anspannung und Lockerheit jederzeit gegenseitig bedingen können.

So gleichbleibend hoch das Niveau der Ausdifferenzierung, so variabel erschließt sich das stimmliche Volumen. Beim schaurigen Oh The Gods scheint Tom Wilson von amourösen Phantasmagorien gefangen zu sein, doch den Blue Moon Drive geht er mit großer Geste und zartbitterem Schmelz an. Knorrig zieht er bei Bottom Of Our Love Bilanz, mit Shake The Hand bringt er selbstsichere Verruchtheit ins Spiel. Auch Trost (Dreams Come And Go) und Zuversicht (Hey Hey Hey) stehen auf dem Programm, dennoch reicht der lange Atem von Band und Barde sogar noch für beschwingte Verweise auf folkjazzig Fusioniertes (Black Spruce). Kurzum: Beautiful Scars berührt und begeistert mit jeder seiner so reichhaltig vorhandenen Nuancen.

latentrecordings.com/leeharveyosmond
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