Als Spielwiese für andernorts Unpassendes erdacht, rief Tim „Cursive“ Kasher The Good Life einst (2000) ins Leben. Seit Help Wanted Nights (2007) schien hierfür kein Bedarf zu bestehen, zweieinhalb Soloalben deckten seinen Bedarf nach ungebundener Tätigkeit vermutlich zur Genüge ab. Wenn am 14. August mit Everybody’s Coming Down (Saddle Creek/Cargo) nun doch das vierte Vollwerk seiner Zweitband erscheint, dann bestätigt sich zugleich der Verdacht, dass The Good Life endlich ein Eigenleben entwickelt hat.

The Good Life: "Everybody's Coming Down" (Saddle Creek/Cargo)
The Good Life: „Everybody’s Coming Down“ (Saddle Creek/Cargo)

Die Diversität des großkalibrig präsentierten Materials von Everybody’s Coming Down geht mit dem erstarkten Einfluss einher, den jeder der primär Beteiligten für sich in Anspruch genommen hat. Dabei ist es an Roger L. Lewis (Schlagzeug) und seinem überschaubar trocken gehaltenen Spiel, die ständig zur Extravaganz neigenden Eingaben von Ryan Fox (Keyboard, Gitarre) und Stefanie Drootin-Senseney (Bass, Gesang) im Zaun zu halten. Und Tim Kasher? Weidet sich an dieser inneren Spannung, die sein Laissez-faire begünstigt.

Doch auch ohne die interne Hierarchie zur Deutung heranzuziehen, wird schnell deutlich, dass es sich um ein akzentuiertes Album handelt, das sich seinen Vorgängern in Sachen Prägnanz und Geschlossenheit als weit überlegen erweist. Die Auskopplung Everybody gibt die Schlagzahl zweischneidiger Argumente vor; der zuvor im halbminütigen Intro angedeutete Schlendrian wird bis zum (versöhnlichen?) Ausklang (Midnight Is Upon Us) nicht mehr wiederkehren.

Wachen Auges wird sich einer von schleichender Entfremdung, halb durchschautem Wahnsinn und heilloser Todesfurcht geprägten Umwelt gestellt, die sich nur mit den Mitteln konsequenter Überzeichnung ertragen und deuten lässt. Flotsam Locked Into A Groove gibt sich in diesem Sinne noch redselig jovial, doch spätestens zum Skeleton Song spricht die Fratze des Entsetzens Tacheles: der Krebs steckt in den Knochen. So wird Everybody’s Coming Down zu einem gehaltvoll bizarren Spaß – und zu einem beeindruckenden Statement von The Good Life als einer vollwertigen Band.

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