Sweet Baboo, The Boombox Ballads

Auf dem Boden schwebend

Wenn die Unschuldsvermutung zur Gewissheit wird, bräuchte Stephen Black alias Sweet Baboo keinerlei Abbitte zu leisten. Sein dezent verquer angedachter Folkpop-Schalk schien seit jeher jeglichem Verdacht der Prätention abhold, doch sein viertes Vollalbum The Boombox Ballads (ab Freitag via Moshi Moshi/[PIAS] Coop/Rough Trade) billigt erstmals voneinander abweichende Lesarten – und legitimiert somit nicht zuletzt eine latent ironische Distanz, mit der sich gewitzt flunkern ließe. Also doch das Werk eines Schwerenöters?

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Sweet Baboo: "The Boombox Ballads" (Moshi Moshi/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Sweet Baboo: „The Boombox Ballads“ (Moshi Moshi/[PIAS] Coop/Rough Trade)

Die liebreizende Harmlosigkeit verführt dazu, zumindest auf der Textebene nach Kontrasten zu suchen. Oder, so man dort nicht fündig wird, das lyrische Ich einfach mal austauschen zu wollen. Als Platzhalter böte sich etwa ein Zweifler vom Kaliber eines Ron Sexsmith an, Got To Hang Onto You fordert zu derlei interpretatorischen Phasenverschiebungen direktemang auf. Doch bleibt es bei der gesanglichen Nähe, die (walisische) Welt für Sweet Bamboo ein Ort für befriedetes Kopfnicken mit einverstandenem Dauerlächeln.

Laut eigenen Angaben stärker den Sänger als den Songschreiber herauskehrend (I Just Want To Be Good entstammt etwa aus der Feder von Cate Le Bon), spitzt sich die Dramaturgie in ausgezeichneter Weise immer dann zu, wenn sich sein Vortrag von den – dann wie um sich selbst kreisenden – Songideen emanzipiert (Two Lucky Magpies). Doch selbst diese milden Formen des Aufbegehrens streuen kein Salz in eine Suppe, deren bunt gemischt frische Zutaten jegliche weitere Geschmacksverstärkung erübrigen.

Stephen Black aka Sweet Baboo (Kirsten McTernan)

Stephen Black aka Sweet Baboo (Kirsten McTernan)

Das zeugt vom gesunden Geist der Unverdorbenheit, mit dem Sweet Baboo einen unwiderstehlichen Sommerhit wider Willen (Sometimes) ebenso wie eine siebenminütige Teilzeit-Absurdität (You Got Me Time Keeping) lanciert, bevor er mit Over & Out einen Schlusspunkt setzt, der es vermag, das gesamte Album rückwirkend in einen versonnenen Schwebezustand zu versetzen. Dem Boden der Tatsachen entkommt es dabei – konsequenterweise – nicht.


Got To Hang On To You
:
youtube.com/watch?v=O2SYUWbKmsY

sweetbaboo.co.uk
facebook.com/sweetbaboomusic

 

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