Wäre The Making Of (Domino Records/GoodToGo, ab Freitag) nicht so unverschämt selbstbewusst und überzeugend aufrichtig ausgefallen, könnte bei The Bohicas aus Essex der Verdacht einer Abstammung aus der Kalkül-Retorte die Runde machen. Diese Mischung aus stylisch-feschem Auftritt und unerschöpflich angesagter Rock-Bedarfsdeckung, sie rührt am Hype. Sinnbildung und Triftigkeit verstören, wo sie vielleicht nicht hingehören. Doch wer genauer hinhört, vernimmt den wahren Geist. Ein Debüt mit dem Anspruch eines problemlos eingehaltenen Versprechens.

The Bohicas: "The Making Of" (Domino Records/GoodToGo)
The Bohicas: „The Making Of“ (Domino Records/GoodToGo)

Mit einem wissenden Somehow You Know What I Mean entlässt Vorsänger und Gitarrist Dominic John den nach zehn vorangegangenen Vollblütern gut geplätteten Hörer seiner oberschick gestalteten Visitenkarte für eine langjährige Karriere in oberen Billing-Regionen. Und das kommt davon: Im Prinzip dem Powerpop entlehnte Schmissigkeiten drehen, nur gefühlt wie von knusprigen Overdubs gepimpt, gravitätsgeile Auswuchtungsrunden, die anhand der Hives oder dem Black Rebel Motorcycle Club längst als unbedingt alltagstauglich beschrieben wurden.

Das besondere, ja eigene Element steht der breitbeinig aufgestellten Band ins Gesicht des Artworks (Tomer Hanuka) geschrieben: Die Verführung zu eindeutig, um noch der Kunst zu bedürfen, rechtfertigt der in Aussicht gestellte Genuss jedes Risiko. Selbst die Fährnis, zum x. Male einer ausgeklügelten Täuschung zu erliegen, kann nicht an jenem Willen rütteln, den The Bohicas mit ihren Fans in spe verbindet: Sich groß, stark und übermächtig fühlen, auf den ergründlichen Wegen des Vibes. „You can’t ignore that I love you more than anybody else“, das muss einem auch mal wieder gesagt werden. Trotz Arbeit und Sport, es ist nur ein Spiel. Sei dabei!

XXX (Converse Red Light Sessions):
youtube.com/watch?v=sglfTd9IAUE

29.10. Hamburg (Molotow Bar)
30.10. Berlin (Berghain Kantine)

thebohicas.com
facebook.com/TheBohicas

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