Mit einem absolut klassischen Verlauf sämtlicher Läufe von Melodie und Instrumenten eröffnen Spock´s Beard ihr zwölftes Album, The Oblivion Particle (InsideOut/Universal, ab Freitag). Tides Of Time bezieht also die Ausgangsposition, besonders progressiv veranlagte Zeitgenossen könnten diese Bestandsaufnahme als Selbstwiederholung missverstehen. Doch im weiteren Verlauf stellen die Altgedienten in phasenweise großmeisterlicher Manier klar, dass ihre Grammatik weiterhin über einen angenehm anzueignenden Schatz an Sonderfällen verfügt.

Spock`s Beard: "The Oblivion Particle" (InsideOut/Universal)
Spock`s Beard: „The Oblivion Particle“ (InsideOut/Universal)

Nein, von sich selbst gedenken sich die Mannen um Alan Morse auch im 24. Jahr ihres Bestehens nicht zu emanzipieren. Doch wer wollte behaupten, dass dies Not täte? Spätestens bei den verschlungenen Pfaden, die bei Minion aufgenommen und zu einem knappen, befriedigenden Ende gebracht werden, entpuppt sich das Verlässliche als Trajekt perennierender Neuentdeckung. So sei allein das außergewöhnlich hart akzentuierte Riffing erwähnt, um eine ungefähre Richtung anzugeben, mit der sich The Oblivion Particle angemessen erschließen lässt.

Weiterhin nehmen jene Passagen in Beschlag, die sich zunächst exaltiert, gar überfrachtet geben, um bereits im Vollzug ihrer selbst – dank perfekten Timings – die innere Stringenz mit der äußeren Form wieder versöhnen und ins Lot bringen. Hell’s Not Enough, The Center Line oder das mit zehneinhalb Minuten Dauer aufwartende To Be Free Again stecken voller evokativer Momente, die streng und duldsam zugleich ihre jeweilige Attraktion nähren, ohne dass die kompositorischen Grundzüge ins Wanken oder gar außer Kontrolle gerieten.

Als eine emotional überraschend direkt einnehmende Balladen-Variation sticht Get Out While You Can hervor, die zudem mit einem meisterhaften Vokal-Arrangement brilliert. Der Ausklang (Disappear) macht es sich dagegen zunächst einmal vergleichsweise leicht, doch auch hier gilt, was The Oblivion Particle über die gesamte Laufzeit (und Spock`s Beard über die gesamte Karriere) auszeichnet: Kaum scheint die Struktur durchschaut, wird verlässlich eine der profanen Deutung überlegene Bedeutungsebene eingezogen. Mit diesem architektonischen Kniff bleiben Resonanzkatastrophen ebenso ausgeschlossen wie der Einzug des schlimmsten Übels in die Liegenschaft: Belanglosigkeit.

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