Habitzheim ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Otzberg im hessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg – und offizielle Herkunft von Safran, einer fünfköpfigen Band mit audiovisuellem Kunstanspruch und – tatsächlich – kaum je vernommenen Klangbildern, die gleichermaßen anrühren wie verstören. Mit dem Re-Release des Albums Machinery (Timezone Records & Distribution, ab Freitag) sollte der Nimbus des absoluten Geheimtipps gehörigen Schaden nehmen.

Safran: "Machinery" (Timezone/Timezone Distribution)
Safran: „Machinery“ (Timezone/Timezone Distribution)

Thema des Albums: Die Maschinenwerdung des Menschen, oder gar: der Mensch als Maschine. Doch ist es keine Kraftwerk’sche Elektronika, mit der sich Safran dieser hochtrabenden Thematik widmen und annähern. Vielmehr bedienen sie sich einer im höchsten Maße eigenständigen Melange aus Art-Rock, Chanson Bizarre und zahlreichen Merkwürdigkeiten, die von der Band schlicht als „Dark Pop“ etikettiert werden. Gut, das mit dem „Dark“ sei stattgegeben (auch wenn sich Safran kaum auf den Playlists der Gothic-Radios wiederfinden dürften), doch das mit dem „Pop“, das glauben sie wohl selbst nicht. Wenngleich Machinery, trotz der gegebenen Schwere der gewählten Materie, mit dem feinen Puder der (Selbst-)Ironie überzogen zu sein scheint. Aber auch das keineswegs durchgängig, es bleibt kompliziert.

Vor allem aber bietet Safran ein überaus lohnendes Hörerlebnis seltener Fasson. Die nicht zuletzt von Entfremdungsprozessen gekennzeichneten Sujets werden mit einem erweiterten Rock-Instrumentarium inszeniert, das verschwenderisch Facetten streut, Widerhaken integriert und sich letztlich kaum kalkulieren lässt. Und dann noch diese Stimme, fragil, hell und klagend. Wie in intergalaktischer Ferne auf sich allein gestellt und ihr eigenes Zweitwesen in einer vergangenen Parallelwelt anrufend. Verzweifelt, vergeblich. Und anrührend, wie der Gesamteindruck, der Safran hinterlässt. Futter fürs Hirn und schwere Kost fürs Gemüt, besorgniserregend gut.

Live: 21.09. Darmstadt (An Sibin)

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