Nach einem Jahr mit 12 (!) EPs schließt die aus Jersey stammende und in London beheimatete Nerina Pallot ihre Runderneuerung mit dem Album The Sound And The Fury ab (Idaho/INgrooves/Rough Trade, ab morgen). Sich behutsam ihren von Electronica, Dance und Jazz beseelten Anfängen nähernd und mit dem festen Vorsatz versehen, eine triftige Zäsur zu ihrem bislang als Singer/Songwriterin erlangten Ruf zu wagen, überzeugt ihr aktuelles Selbst mit Mut, Ausdruck und einer klaren Haltung, die sich nicht zuletzt in den Themen widerspiegelt, die Nerina Pallot aufgreift und mustergültig interpretiert.

Nerina Pallot: "The Sound And The Fury" (Idaho/INgrooves/Rough Trade)
Nerina Pallot: „The Sound And The Fury“ (Idaho/INgrooves/Rough Trade)

So bezieht sie mit der Auskopplung The Road Stellung zur höchst akuten Flüchtlingsproblematik, wenngleich sie den Song zunächst als eine persönliche Reflexion über Identität und Integrität angelegt hatte, um mit ihm zugleich ihrer neu entdeckten Liebe zum Blues und speziell zu Nina Simone Ausdruck zu verleihen. Doch nachdem Regisseur Damian Walters sie davon überzeugen konnte, das Video zum Anlass zu nehmen, in ungeschönt dokumentarischer Form auf die Flüchtlingssituation in Calais hinzuweisen, hat der Song nun eine Dimension sowie eine damit korrespondierende Relevanz angenommen, wie sie für The Sound And The Fury geradezu symptomatisch erscheinen.

The Road, ursprünglich inspiriert von Corman McCarthys postapokalyptischen Roman gleichen Namens, mag eine Schlüsselfunktion einnehmen, doch wäre dies eine Verkennung des durchgängig schlüssigen Charakters des gesamten Albums. Dabei entstammen acht Titel der vorangegangenen EP-Flut, jedoch wurden diese komplett überarbeitet, auch um die uneingeschränkte Direktheit zu wahren, die The Sound And The Fury in besonderem Maße auszeichnet. Als Modern Soulpop mag ihre Demonstration der Stärke tituliert werden, doch greifen die Arrangements noch wesentlich tiefer in die ungeschriebene Formelsammlung der künstlerischen Autonomie.

An der Seite ihres Produzenten und Ehemanns Andy Chatterley verabschiedet sich Nerina Pallot von den allzu arriviert geltenden Teilaspekten ihrer musikalischen Identität – und orientiert sich am Wagnis. Die Themenvielfalt entspricht einem stilistischen Mix, der – variabel und zugleich kristallklar ausgeführt – mitunter geradezu beängstigend packende Atmosphären zu erzeugen versteht. Es handele sich um die „glücklichste Songsammlung“ ihrer Karriere. Wer sich ihr hingibt, versteht auf Anhieb, was Nerina Pallot damit meint.

Tour in Planung!

The Road:
youtube.com/watch?v=avcdVCtLOKM

nerinapallot.com
facebook.com/nerinapallotofficial

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