Live vor Publikum eingespielt (und auch visuell mitgeschnitten) erstrahlt – auf zwei Tonträger verteilt – auch das fünfte Album einer der wenigen Keimzellen des Funeral Doom Metal in majestätischer Schwere und Schwärze: Ordeal (Svart/Cargo, ab Freitag). Indem Skepticism auf die Abstraktionswerte einer Studioaufnahme verzichten, erhält ihr prinzipiell unverändert gebliebener Ansatz erstmals eine unausweichliche Direktheit, mit der sich ihr meisterliches Variieren des Essentiellen auf grenzwertig köstliche Weise nachvollziehen lässt.

Skepticism: "Ordeal" (Svart/Cargo)
Skepticism: „Ordeal“ (Svart/Cargo)

Bei den früheren Veröffentlichungen (von denen der Erstling Stromcrowfleet bislang als das Maß aller Dinge galt) trug die massiv elaborierte Dichte mitunter dazu bei, den Faden zu verlieren. Zumindest in Phasen eingehaltener Stagnation, wo allein die Hoffnung auf einen erlösenden Einschub (bevorzugt von einer flächig eingeführten Orgelmelodie hervorgerufen) ungebrochene Aufmerksamkeit stimulierte.

Ordeal lässt dagegen derlei Abschweifungen und Antizipationen nicht zu. Über die volle Laufzeit von rund 80 Minuten geschieht durchgängig viel zu viel: Kurzweil ist angesagt. So schwärmen etwa die melodischen Elemente zum Kampf um eine ephemere Vormachtstellung aus, wie dies bereits der Auftakt (You) mit zunächst verblüffender Freizügigkeit nahelegt. Doch auch die Rhythmik scheint (!) von der neuen Lust an permanenter Aktivität kontaminiert zu sein, allein das Schlagzeug hält sein stoisches Schreiten bei.

Nur noch ein Beispiel für die unermesslichen Stärken von Ordeal: Closing Music will allein die Steigerung als Gestaltungsmaxime anerkennen, Skepticism scheinen hier den bitteren Kelch der Existenz in Form eines triumphalen Akts zu leeren, erhaben und affirmativ wie nie zuvor. Doch dann setzt Pouring mit einem Industrial Doom-Pattern ein, das alles wieder zunichte macht, bevor der Orgeleinsatz erneut des Menschen Hang zur Trauerarbeit parodiert: Und das alles (u. v. a. m.) mit einer empfindsamen Treffsicherheit, die verrät, wie viel die Band selber von dem versteht, was sie da tut.

skepticism.fi
facebook.com/officialskepticism

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert