Das am 25. September erscheinende Album Nomad Frequencies (Denovali/Cargo) des in Glasgow ansässigen John Lemke erweist sich als ein Lehrstück in Sachen Organisation. Dass den Künstler mehrere Monate ohne festen Wohnsitz und intakter Studio-Peripherie zu diesem Album inspiriert haben, mag angesichts des bei aller Mehrdeutigkeit bestechend klar ausformulierten Ergebnisses geradezu unglaubwürdig anmuten. Doch die uneingeschränkte Lesbarkeit seiner Kompositionen und Arrangements enthebt den Künstler von jeglichem Verdacht bloßer Prätention.

John Lemke: "Nomad Frequencies" (Denovali/Cargo)
John Lemke: „Nomad Frequencies“ (Denovali/Cargo)

Im Vorfeld zu Nomad Frequencies sah sich John Lemke gezwungen, Hals über Kopf die eigenen vier Wände zu verlassen und für ein halbes Jahr aus dem Koffer zu leben. So dieses unfreiwillige Nomadentum tatsächlich dazu beigetragen hat, die Schwingungen und entscheidenden Impulse für das vorliegende Album auszulösen, zeugt dies weniger von den scheinbar widrigen Umständen als von den künstlerischen Prämissen, unter denen es entstanden ist.

Der schottische Sounddesigner und Komponist für Dokumentarfilme legt großen Wert auf die eigene Herstellung der von ihm verwendeten Field Recordings und Sounds. Ihnen verdanken seine überwiegend auf Klavier und analoger Synth-Technologie basierenden Arbeiten eine Aura, die Persönlichkeit und Intellekt in sinnliche Erfahrungen wandelt und derart in sich vereint. Je konkreter die akustischen Fiktionen Realität reklamieren, desto mehr scheinen sie über ihr zu stehen, oder genauer: zu schweben.

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