Von Thomas Tallis über György Ligeti zu Tim Garret, der als Moon Zero auf seinem selbstbetitelten Debütalbum (ab 25. September via Denovali/Cargo) mit dem Aufgriff mikropolyphoner Satztechniken Soundwälle erschafft, die vom ruinösen Gehalt des Sakralen ebenso künden, wie von dem Ungenügen profaner Alternativen. Dabei erwächst aus der musikalischen Abstraktion graduell antonymer Begrifflichkeiten eine Melange aus u. a. mikropolyphon erzeugt Beiläufigem, deren Verdichtung triftige Stimmungsbilder ableiten lässt, die der bloßen Kontemplation vehement in die selbstgenügsame Parade fahren.

Moon Zero: s/t (Denovali/Cargo)
Moon Zero: s/t (Denovali/Cargo)

Um den soeben als Feststellung formulierten Verdacht zu erhärten, lohnt sich die Hervorhebung der zentral platzierten Titel The Solipsist und Heritage Guilt. Während in der Klangsprache von Moon Zero sich die kausal konsequente Ich-Bezogenheit im Verlauf eines Läuterungsprozesses immer weiter in eine Ahnung von Erleuchtung hineinsteigert, erinnert das Geläut (dem Untergang) geweihter Glocken in Heritage Guilt an die Vergeblichkeit aller Selbstermächtigung. Wollte man den hier imaginierten Protagonisten benennen, „Faust“ böte sich an.

Zum Abschluss legt Nauru aber doch noch die größtmögliche Ferne unter Beibehaltung einer irdischen Verortung nahe. Die Anrufung paradiesischer Zustände liegt aber auch hier mit der Gewissheit um die Entropie im Clinch. Dennoch weist die pessimistische Grundverfassung von Moon Zero hier erste Risse auf. Heißen wir sie willkommen, schließlich bleibt somit auch die Wertschätzung der Interdependenz von Ambient und Ambivalenz gewahrt.

Tim Garrat/Moon Zero ist einer von insgesamt 23 (!) Acts des diesjährigen Denovali-Festivals, vom 1. – 4. Oktober in der Weststadthalle Essen.

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