God Is An Astronaut Luxor Köln

Lehrstunde der Lichtökonomie

Auf ihrem aktuellen Album Helios / Erebus präsentieren sich die irischen Chef-Atmosphäriker in wiedererlangter Höchstform. Bei der ersten Deutschland-Station ihrer Welttournee bestätigten Torsten und Niels Kinsalla, Jamie Dean und Lloyd Hanney die Qualität des Longplayers. Aufs Wesentliche reduziert und ohne visuelles Beiwerk präsentiert, erstrahlten allein ihre archetypischen Kompositionen aus nahezu allen Schaffensphasen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Jamie Dean & GIAA, Luxor, Köln (Stephan Wolf)

Jamie Dean & GIAA, Luxor, Köln (Stephan Wolf)

Zu relativ früher Stunde (Folgeveranstaltung am Disco-Samstag) und ohne von einem Support präludiert worden zu sein, betreten God Is An Astronaut die Bühne – und fangen einfach an. Ohne Spannung heischendes Vorspiel, sogar auf Nebel wird verzichtet. Die Einstimmung erfolgt, ebenso überraschend, mit Snowfall und Echoes, zweier Tracks des selbstbetitelten Albums von 2008. Doch die unverstellte Präsentation zeitigt sofortige Wirkung: So direkt, intim und verbindlich konnte man GIAA bis dato noch nicht erleben!

Vorbei der Einsatz von bedeutungsschwanger inszenierter Multimedia, vorbei auch die Gesten einer konventionellen Rockshow samt Klatsch-Animation, die noch auf der letzten Tour den Gesamteindruck trübten. Heute gibt es nur die ausnahmslos ergreifende Musik, gespielt von einer Band, die, so will es scheinen, in ihren Proberaum geladen hat, um vor Publikum die Essenz ihrer Kompositionen freizulegen. Wer hierbei noch weitere visuelle Reize benötigt, braucht nur die Augen zu schließen.

Vom aktuellen Meisterwerk werden mit dem Titeltrack, dem Opener Agneya, ferner Vetus Memoria, Centralia und Pig Powder die Sahnestücke geboten, anhand derer sich die aktuelle Bandbreite des GIAA-Soundkosmos manifestiert. Und die gefällt bei Weitem nicht allein dem open-minded Metaller, wie ein Blick in die Runde der Anwesenden bestätigt. Eingebettet werden diese neuerlichen Geschenke ans Musikkulturerbe von einem gleichermaßen ausdifferenzierten Zug durchs Repertoire, wobei unterm Strich doch wieder Titel des nach wie vor unerreichten Albums All Is Violent, All Is Bright dominieren.

GIAA, Luxor, Köln (Stephan Wolf)

GIAA, Luxor, Köln (Stephan Wolf)

Mit der Ansage des von besagtem Album stammenden Forever Lost wird die spürbare Verschiebung der Tonalität in klare Worte gefasst. Ursprünglich indirekt an die globale Umweltzerstörung gemahnend, wird der Titel heute für einen verstorbenen Freund gespielt. Allein diese Widmung macht die Stimulation diffuser Bezugspunkte entbehrlich, sofern GIAA überhaupt (neben einem Übermaß an Sinnlichkeit) Sinn transportieren wollen.

Dass sich die Band längst nicht mehr hinter ihrer Musik (und Nebelschwaden) versteckt, führt dann auch zu der freundlichen Bitte um ein Publikums-Pic für Facebook, der nur allzu gerne entsprochen wird. Bevor mit dem immer wieder „göttlichen“ Suicide By Star und einer krachig modifizierten Version des vom Debüt stammenden Route 666 ein Konzert ausklingt, das seine Kraft aus der Konzentration bezog. Mehr Huldigung an Helios, mit noch weniger Licht, scheint kaum möglich.

12.10. Frankfurt/Main (Zoom)
17.10. CH-Zürich (Plaza)
18.10. Stuttgart (Wizemann)
23.10. Leipzig (Werk 2)
24.10. Berlin (Columbia Theater)

facebook.com/godiaa
godisanastronaut.com

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