Die Inselgruppe der niederländischen Antillen umfasst Curaçao, Aruba, Sint Eustatius, Sint Maarten und Bonaire. Einflüsse aus dem näheren und weiteren Umfeld, nämlich des Zouk von den französischen Antillen, des Merengue von der Dominikanischen Republik und des Soca von Trinidad liegen in den Musikstilen hier offen zutage. Schließlich kann die Gesamtheit der insularen Karibik – bedingt durch die leichte Erreichbarkeit der Eilande auf See – ein weltweit einzigartiges, durch die Jahrhunderte gewachsenes kulturelles Netzwerk aufweisen. Schon die Arawak als indianische Erstsiedler kommunizierten ja teils sogar akustisch „von Insel zu Insel“.

In der Karibik prinzipiell auch zur Übermittlung von Kaseko-Noten zu nutzen ... (Peer Kyle, 24.7.2014)
In der Karibik prinzipiell auch zur Übermittlung von Kaseko-Noten zu nutzen … (Peer Kyle, 24.7.2014)

Seit altersher wird auf den genannten Inseln überwiegend in einer Variante der Patois-Sprache, dem Papiamento, gesungen. Von der kreolischen Bevölkerung der ehemals holländischen Kolonie Suriname wurde der Tanz- und Musikstil des Kaseko entwickelt,  den wir auf Curaçao oder Bonaire mit dem üblichen „kombinierten Rhythmus“ verbunden vorfinden. Typisch sind hier die synkopierten genuin afrikanischen Rhythmen, die Verwendung der snare drum und die große skratji-Trommel, ebenso wie die Besetzung der Bands mit Blechblasinstrumenten wie Trompete, Posaune und Saxophon und der responsorische Gesang.

Auf den niederländischen Antillen sind die Congas, in ihrer größten Form als Tumba, weit verbreitet und tragen zum Repertoire der "Combined rhythms" bei (Latin Conga, Culturalis, 19.11.2011).
Auf den niederländischen Antillen sind die Congas, in ihrer größten Form als Tumba, weit verbreitet und tragen zum Repertoire der „Combined rhythms“ bei (Latin Conga, Culturalis, 19.11.2011).

Durch seine Anpassungsfähigkeit auch an modernste Popmusik und elektronisches Equipment eroberte der Kaseko in den letzten Jahren nach Suriname auch die niederländischen Antillen. Bands wie Carlo Jones, William Souvenir, Zonnebloem und Yakki Famiri konnten auf dieser flexiblen Basis ihren Individualstil ausbilden. Mittlerweile sind sie so bekannt wie die im London der 1980er Jahre hochpopulären westafrikanischen Bands Abdul T Jay und Somo Somo. Auch die Klänge der ursprünglich militärischen Marschmusikverbände schwappten von Suriname hinüber auf die niederländischen Antillen, außerdem der kubanische Mambo und die Varianten des Calypso, aus nördlicheren Regionen auch der New Orleans Jazz.

Wunderbare Ausblicke wie diese auf einen "schlafenden Vulkan" eröffnet die Antilleninsel Sint Eustatius (Walter Hellebrand, Liz. CC-BY-SA-3.0 GPU, 26.10.2008).
Wunderbare Ausblicke wie diese auf einen „schlafenden Vulkan“ eröffnet die Antilleninsel Sint Eustatius (Walter Hellebrand, Liz. CC-BY-SA-3.0 GPU, 26.10.2008).

St. Maartens Name ist auf Kolumbus‘ Entdeckung der Insel am 11. November 1493 – dem Patronatstag des Heiligen Martin – zurückzuführen. Da der Haupterwerbszweig der Insel der Tourismus ist, werden klassische Werke dort eher selten live gehört, es dominieren neben den Radiohits und „Konservenangeboten“ der Hotels karibische Stile wie sie auch auf Aruba und Curaçao üblich sind. Dasselbe gilt für Sint Eustatius mit seiner Hauptstadt Oranjestad und einem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil wie auf Bonaire, das nach der Trennung aus dem Verband der Niederländischen Antillen am engsten mit dem „Mutterland“ verbunden blieb, auch wenn hier mittlerweile der US-Dollar die offizielle Währung darstellt. Auf der Insel dominiert mittlerweile eine Form des sanften Ökotourismus.

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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