Bis zu vier Arbeitsplätze mit partieller Tastenbelegung zeugen von der mit dem aktuellen Album Tiny Rewards einher gegangenen Neuorientierung: Weniger strikt geerdeter Neu-Folk, mehr luftige Weite nach Art eines erweiterten Begriffs von „Orchestral Indie Pop“. Im Kölner YUCA-Club benötigen die zunächst eher zurückhaltend agierenden Sechs eine gute Weile, um die Lücken der neuen Heterogenität zu schließen – bevor sie sich in einen unbeschwert harmlosen Rausch mehrfach ums Eck gedachten Wohlklangs begeben, den das Publikum zu genießen weiß.

Joe Rattray, Sarah Hayes - Admiral Fallow, YUCA Köln (Stephan Wolf)
Joe Rattray, Sarah Hayes – Admiral Fallow, YUCA Köln (Stephan Wolf)

Mit dem Pfund zweier herausragender EPs – Yellow Raincoats, No Countries (ab 16. Oktober erhältlich) eröffnet Patrick O’Laoghaire alias I Have A Tribe den Abend. Ein vor Freundlichkeit fast berstender Mann am E-Klavier, eine Stimme, die zwischen vertraut und gewöhnungsbedürftig changierend mit viel Gefühl von großen und kleinen Gefühlen kündet. Und von deren Entstehungsgeschichten erzählt, wobei das von I Have A Tribe gerne angewandte Dehnen seiner Gesangslinien das verbale Verständnis etwas erschwert. Und doch dürfte ihn niemand missverstehen. Schließlich versteckt er sich nicht hinter seinem Rauschebart, sondern offenbart sich mit kleinen Gesten und dem Mut zur weit geöffneten Seelenschau.

Beim Auftakt mit drei Titeln der sich neuen Ufern zuwendenden Tiny Rewards lässt sich Admiral Fallow zwar nichts anmerken, doch wird spürbar, wie sich die Band noch auf der Suche nach einem organischen Flow befindet. Noch drängen sich die Akzente (Pauke, Klarinette, Querflöte) in den Vordergrund, das kompositorisch verbürgte Harmoniebedürfnis bleibt Vermutung. Doch schon bei Paper Trench (von Trees Burst In Snow) und Squealing Pigs (vom Debütalbum Boots Met My Face) finden die schüchternen Schotten zueinander, die Kogge der Kompaktheit nimmt Fahrt auf. Mal verzärtelt, mal kurz aufbrausend liegen Momente der Entrückung in Kiellinie.

Louis Abbott - Admiral Fallow, YUCA Köln (Stephan Wolf)
Louis Abbott – Admiral Fallow, YUCA Köln (Stephan Wolf)

Mit dem Vinyl-Only-Track Broughty Ferry nimmt das letzte Drittel Kurs auf den Zielhafen. Selbst ein defekter Tonabnehmer an Louis Abbotts Gitarre sorgt nun allein für Erheiterung, aus der Balance gerät fortan nichts mehr. Brother und Easy As Breathing geraten zu einem beinahe schon zu lüsternen High. Hier muss geschwelgt werden, hier will man verweilen. Und Admiral Fellow erweisen sich als Gönner: Die Zugabe mit dem a capella vorgetragenen Bulbs, dem raffiniert interpretierten Talking Heads-Cover (This Must Be The Place) und dem raumgreifend herzigen Old Balloons insinuiert Rührung, die Saat geht vollends auf.

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