Mit seinem ersten Full Length-Album Time unterstreicht John Stephen Sudduth alias Mikky Ekko seinen Anspruch, auch abseits seiner Charts-Ambitionen anerkannt zu werden. Was ihm auf der Scheibe gelingt, erweist sich im Kölner YUCA Club als heikles Unterfangen. Denn im Gewand eines „richtigen“ Rockkonzerts erscheinen seine Tracks als unzureichend getarnt, um die überwiegend doch zu hoch gepitscht geschwurbelte R&B-Käsigkeit kaschieren zu können. Ausnahmen blitzen zwar immer wieder auf, bilden aber leider nicht die Regel.

Mikky Ekko im YUCA Club Köln (Stephan Wolf)
Mikky Ekko im YUCA Club Köln (Stephan Wolf)

Mädchen aus gutem Hause dominieren das Auditorium, auf der Bühne erweckt die Begleitband den Eindruck, jederzeit einen alternativen Rock-Entwurf in die Unschuldsgesichter vor ihnen schleudern zu wollen. Doch den lässt Mikky Ekko selbstverständlich nicht zu. Vielleicht hat er in diesem Sinne – und mit Rücksicht auf seine offenbare Primärzielgruppe – auch auf die Unterstützung einer Bassgitarre verzichtet. Sie hätte ihm eventuell zu viel an Groove eingebrockt. So kämpft das Live-Fundament während des knapp einstündigen Events vergeblich gegen die Sterilität an, mit der Mikky Ekko allseits bekannte, „große Gefühle“ intoniert.

Dabei lugen aus der Simulation stets Momente hervor, die Mikky Ekkos Gespür für grenzüberschreitende Pop-Entwürfe durchaus verraten. Insbesondere der Auftakt mit dem euphorisierenden Burning Doves und dem tatsächlich aufmüpfigen Riot führt auf eine Fährte, die sich im Laufe des sich daran Anschließenden als trügerisch erweist. So verliert das zunächst als Ballade zur Sologitarre servierte Time seinen puristischen Faden und zerfasert in der stets als etwas zu sehr gewollt erscheinenden Stimmakrobatik des Mädchenschwarms im schwül güldenen Jäckchen. Dass er meint, sich für sein angerautes Tour-Timbre entschuldigen zu müssen, lässt etwas tiefer blicken, doch erhärtet sich dort nur der Verdacht handelsüblicher Koketterie.

So richtig beglückt wirkt auch sein Publikum erst zur Zugabe, die mit dem Rihanna-Smash Stay ihren Anfang nimmt (Tränenfluss) und mit der Album-Auskopplung Smile (zum Mitsingen) endet: „Smile, the worst is yet to come“, womit sich Mikky Ekko selbst widerspricht. Unbeantwortet bleibt die Frage, warum er sich diese Clubtour antut, was er sich davon verspricht. So er sich selbst damit beweisen will, dass er auch außerhalb des synthetischen Chart-Getöses funktioniert, lässt er zweierlei vermissen: Konsequenz und Gefühl. Da mag er sich noch so oft an die wehe Herzgegend greifen, man will ihm nicht glauben. Die Mädchen indes schon. Zweck erfüllt.

Smile:
youtube.com/watch?v=e0RFirBWQsE

mikkyekko.com
facebook.com/mikkyekko

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