Keith Rowe / John Tilbury

Enough Still Not To Know

Nach der Veröffentlichung des grandiosen 3-CD-Sets Tempo von Mural (Jim Denley, Kim Myhr und Ingar Zach) setzt das norwegische SOFA-Label seine Politik des langen Atems mit der 4-CD-Box Enough Still Not To Know fort, die eine dreieinhalbstündige Studio-Aufnahme enthält, die den Meister der „kastrierten Gitarre“ Keith Rowe sowie den nicht minder berühmten Avantgarde-Pianisten John Tilbury auf einen weiteren Höhepunkt ihres jahrzehntelangen, auch gemeinsamen Schaffens begleitet.

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Keith Rowe / John Tilbury: "Enough Still Not To Know" (SOFA)

Keith Rowe / John Tilbury: „Enough Still Not To Know“ (SOFA)

Wenn die beiden Schwergewichte der Improvisation aufeinandertreffen, gilt es, das höchste Stufe der Aufmerksamkeit auszurufen. Das war schon beim Music Now Ensemble oder dem Scratch Ensemble so, und auch bei den letzten Kollaborationen wie E.E. Tension And Circumstance oder Duos For Doris nicht anders. Nun aber gewährt ihnen das Format von Enough Still Not To Know endlich einmal „alle Zeit der Welt“, um ihr gegenseitiges, scheinbar blindes Verständnis mit jener Anspannung auszustatten, die sich unweigerlich auf den Hörer überträgt und somit ein authentisches Nachempfinden des kreativen Prozess erst ermöglicht. Schon die Veröffentlichung an sich ist ein audiophil-euphonisches Ereignis von höchstem Rang.

Die Musik basiert auf einer Video-Installation des norwegischen Künstlers Kjell Bjørgeengen, der zugleich als Produzent der viergeteilten Aufnahmen fungiert. Das Booklet dokumentiert den vorangegangenen Email-Austausch der Beteiligten, die darin ersichtlich werdenden „Regieanweisungen“ Bjørgeengens unterstreichen die dramaturgische Bedeutung des Wechsels zwischen Ereignis und Stille, die selbst zum Ereignis wird. In welchem Maße Tilbury und Rowe diese vorgaben beherzigt haben, lässt sich freilich kaum erahnen. Vermutlich würde selbst die Kenntnis der Installation darüber kaum Aufschluss geben.

Deutlich werden hingegen die antipodischen Muster, in denen die Charakteristiken der Kompositionen, vielleicht sogar die Charaktere der Musiker, erkennbar werden. Während Keith Rowe tendenziell stets das Weite sucht und sein Heil in der Abweichung findet, versucht John Tilbury mit sagenhaft dosiertem Anschlag die Fäden wieder zusammenzuführen. Indem beider Anliegen gelingen, entsteht ein rückstandslos organisches Ganzes, das in jedem Moment von seinen filigranen Annäherungen kündet, ohne die oftmals verschlungenen Wege zueinander der Kartographie zu überlassen. Lohnend ist gar kein Ausdruck.

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