John Grant - Grey Tickles, Black Pressure

Von Schalk & Würde

Am Freitag erscheint mit Grey Tickles, Black Pressure ([PIAS] Coop/Bella Union/Rough Trade) das dritte Solo-Album des Ex-Czars-Sängers John Grant, dem Großen. Dem Titel nach der Midlife-Crisis (dem „grauen Kitzel“, wie das Männerleiden in Grants isländischer Wahlheimat genannt wird) sowie Alpdrücken (im Türkischen als schwarz bekannt) gewidmet, artikuliert sich der leidgeprüfte Crooner erneut auf reichlich flippigem E-Pop mit 80ies-Touch. Hohe Gesangsgäste (Tracey Thorne, Amanda Palma und Ex-Banshee Budgie) inklusive.

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John Grant: "Grey Tickles, Black Pressure" ([PIAS] Coop/Bella Union/Rough Trade)

John Grant: „Grey Tickles, Black Pressure“ ([PIAS] Coop/Bella Union/Rough Trade)

Da möchte man angesichts der bisherigen Lebensleistung vor Ehrfurcht erstarren, da erzählt einem die bärtige Ausdrucksinstanz was von Hühnersuppe (Voodoo Doll) oder versetzt Celebrities in absurde Zusammenhänge („Joan Baez makes GG Allin look like Charlene Tilton“, Snug Slacks). Halten wir also fest: Der heilige Ernst von einst hat ausgedient. Und wahrscheinlich haben auch die zahlreichen Kooperationen der Vergangenheit, von Elton John bis Hercules And Love Affair, zu einer Weltsicht geführt, die locker über den Tellerrand der eigenen Befindlichkeit blicken lässt. Auch wenn er, wie auf dem Cover, den weisen Eulen das Sehen überlässt.

Dabei und dennoch unterlässt es John Grant nicht, sich den auch mit Humor kaum zu ertragenden Seiten der Conditio humana zu widmen. Down Here oder Magma Arrives versöhnen diesbezüglich mit dem sich stellenweise regelrecht autonom gerierenden höheren Quatsch. Ja, von wegen: John Grant beliebt nicht zu scherzen. Er findet nur den etwas anderen Ausdruck für das, was Künstler mit einer geringeren Abstraktionsfähigkeit zum Dauerlamento verführt. Disappointing, so sein hemmungsloser NuDisco-Smash, ist das alles – keineswegs.

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