Noise’R’Us wäre für die Jungs aus Lille auch gegangen, so ihr autolog betiteltes Album (via Atypeek Music/BeCoq Records/Tandori Records) einen nahezu klassischen Industrial-Sound fährt, der unter Zuhilfenahme von selbstgebastelten Instrumenten und Spielzeug entsteht. Industrial-Sound wohlgemerkt im Sinne von Zoviet France, weniger von Test Dept.. Niemand braucht in Deckung zu gehen. Und – es wird auch keine Mauer gebaut. Nur um sie anschließend wieder einzureißen.

Toys'R'Noise: "s/t" (Atypeek Music/BeCoq Records/Tandori Records)
Toys’R’Noise: „s/t“ (Atypeek Music/BeCoq Records/Tandori Records)

Denn nach dem recht impulsiv und heftig gehaltenen Opener überwiegen tatsächlich eher moderate Töne, die ihre verlockende Zugänglichkeit nicht unter den Scheffel stellen. Spannend und anregend, wie es so schön heißt, bis in die diffusen Spitzen und über Phasen oberflächlicher Stagnation hinaus.

Toys’R’Noise nehmen sich stets ausreichend Zeit, um ihren Anliegen freien Lauf zu lassen. Ihr Heil suchen sie nicht der in Hektik, sondern in einer Gemächlichkeit, die statt Barrieren lieber Soundtürme aufbaut. Wenn im Verlauf und zum Ende hin Sirenen anschwellen, gar mal ein übler Schrei zu vernehmen ist, erzeugt dies zwar keinen völlig blinden Alarm, aber es kann doch guten Gewissens Entwarnung gegeben werden. Denn Ausbruch, Chaos oder Lärm als Selbstzweck gehören offenbar nicht ins Repertoire. Und dennoch wäre es eine feine Sache, wenn diese Scheibe mal einen Einsatz als Muzak in der „kleine Kinder große Kinderwelt“ von Toys’R’Us-Läden bekäme.

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