Co La - Ha Ha

Spaß mit Sampling

Nach Moody Coup veröffentlicht Matt Papich alias Co La heute ein weiteres Album auf Software. Es hört auf den Namen No No und beendet vorläufig die zuvor berechtigten Hoffnungen, dass der Dancefloor-Analytiker aus Baltimore wieder auf den Gegenstand seines Forschungsschwerpunkts zurückkehren würde. Denn dieser hat sich nun eindeutig zugunsten einer anderen, nur periphär verwandten Disziplin verschoben: der des Samplings. Sowie zu der Frage, wie sich Abstraktion und Konkretisierung zueinander verhalten, wenn der sinnliche Hedonismus der Club-Musik das Experimentierfeld absteckt.

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Co La: "Ha Ha" (Software)

Co La: „Ha Ha“ (Software)

Unverholen offensives Sampling als Generalquelle musikalischer Ereignisse gilt spätestens seit den Zeiten von the KLF als verpönt. Es macht mehr Arbeit als das Erzeugen von Primärmaterial, verweigert den Gehorsam gegenüber der oktroyierten Funktionalität und sabotiert die Heiligen, Flow und Beat. Co La belässt es dabei und setzt auf Ha Ha dort an, wo eine Vereinnahmung durch profane Nutzwerte nicht mehr greift: bei der Narration.

Die Kenntlichkeit seines Ausgangsmaterials eher noch betonend, denn zu kaschieren ersuchend, ergibt dessen Summe die Essenz. Isoliert voneinander würden die Samples auf der Metaebene keinen Halt finden, in ihren rigorosen Anordnungen zeugen sie von geharnischter Angriffslust, kaustischem Humorverständnis und einer generalisierten Kritikfähigkeit, deren Gegenstände dennoch auf die individuelle Empathie eines aufmerksamen Hörers angewiesen bleiben, um von Fall zu Fall auch dechiffriert zu werden. Mit Sprachsamples wäre es so ein Leichtes gewesen, doch Co La riskiert lieber das völlige Missverständnis, so es ihm auch offiziell an „solidarity and psychose“ gelegen ist.

Auf den Geschmack (oder den Trichter gar) gekommen, lässt sich Co La nun auch Holly Herndon anders hören und – wenn auch nicht unbedingt besser – verstehen. Und umgekehrt. Dass trotz der technisch fundamentalen sowie wesentlichen Unterschiede ein Track wie Suffering (Tuesday) auch im Kontext des letzten Albums von Martin Gore (MG) einen geeigneten Unterschlupf hätte finden können, gibt weiterhin zu denken.

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