Interview mit Radare

„Wir sitzen in der Falle der Originalität“

Radare: "Im Argen" (Artwork)

Radare: „Im Argen“ (Artwork)

amusio: „Könnte man nicht den weit verzweigten Stammbaum des Postrock hinzuziehen, um beide Bands miteinander in Bezug zu setzen?“

Jobst M. Feit: „Da bekomme ich ein Problem. Wovon reden wir, wenn wir von Postrock sprechen? Für mich repräsentieren Bands wie Gastr del Sol, Tortoise oder Slint das, was ich unter Postrock im klassischen Sinne verstehe. Oder auch Talk Talk mit ihrem Album Spirit Of Eden. Doch heute wird unter Postrock ja oftmals etwas ganz anderes verstanden. SciFi-Themen und Hi-Fi-Musik voller Gitarren-Delays. Da fehlt mir der tatsächlich experimentelle und fordernde Ansatz. Das ist mir zu seicht.“

amusio: „Für Euer Facebook-Profil habt Ihr Euch für eine stilistisch indifferente Genre-Bezeichnung entschieden: „Slow“. Woher kommt diese Entdeckung der Langsamkeit? Ist sie auch der Ausdruck eines Reifeprozesses?“

Fabian Bremer: „Vielleicht eher der Ausdruck einer natürlichen Entwicklung. Der Zeitpunkt der Radare-Gründung fiel in eine Orientierungsphase. Wir wollten Neues ausprobieren. Und auch hinbekommen. Ob das jetzt etwas mit Reife zu tun hat, will ich nicht unbedingt behaupten. Wenn man – wie die meisten von uns – lange Jahre mit dem Spielen von brachialer und an Noise orientierter Musik zugebracht hat, verspürt man irgendwann einfach den Drang, sich zu verändern und andere Richtungen einzuschlagen. Etwa von schnell zu langsam. Oder vom Dissonanten hin zu melodiöseren Strukturen.“

amusio: „Kerry King von Slayer sieht das wohl anders. Ferner scheinen umgekehrte Prozesse, die zum Beispiel vom Gefälligen zum Extremen führen, seltene Ausnahmen zu bleiben.“

Jobst M. Feit: „Hierzu fallen mir spontan Portishead ein. Deren drittes Album ist mit Abstand abstrakter und schroffer als die beiden davor. Oder eben Talk Talk, die ja auch immer experimenteller und sperriger geworden sind.“

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