Interview mit Radare

„Wir sitzen in der Falle der Originalität“

Radare: "Im Argen" (Artwork)

Radare: „Im Argen“ (Artwork)

amusio: „Ich kann mich daran erinnern, dass deren Sänger Mark Hollis seine anfänglichen Popsongs als Unfälle bezeichnet hat, die auch von den Erwartungen des Major-Labels verschuldet worden seien…“

Fabian Bremer: „Das würde ich ihm abkaufen. Den Weg über die Pop-Kompatibilität zu gehen, um zu sehen, wie weit man damit in kommerzieller, aber auch in künstlerischer Hinsicht kommt, könnte man als Experiment auffassen. Und das scheint mir ein interessanter Weg der künstlerischen Selbstfindung zu sein, auch wenn er für mich persönlich nicht gangbar wäre. Interessanter und vor allem auch riskanter, als immer nur in der angestammten Nische zu verharren.“

amusio: „Wer sich dazu berufen fühlt, die Musik von Radare beschreiben zu wollen, kommt um die Nennung zweier Namen kaum umhin: Bohren & der Club of Gore sowie Angelo Badalamenti. Wie verhaltet Ihr Euch gegenüber diesen geradezu obligatorischen Referenzen?“

Jobst M. Feit: „Wir schätzen beide für ihre künstlerische Konsequenz. Und in ästhetischer Hinsicht bestehen sicherlich stark ausgeprägte Bezüge zwischen uns und ihnen. Allerdings streben wir keine möglichst hohe Kongruenz an. Es gibt sicherlich schlimmere Sachen, mit denen man in Verbindung gebracht werden kann. Wenn man sich eigenständig bewegt, kann man auch locker zu seinen Einflüssen stehen. Zumindest solange einem kein Plagiarismus zum Vorwurf gemacht wird.“

amusio: „Kommt das denn vor?“

Jobst M. Feit: „Durchaus. Vorhin habe ich noch eine Review gelesen, die mich verärgert hat. Die ging ungefähr so: Pro: „Klingt wie Bohren in schneller“. Kontra: „Klingt wie Bohren in schneller“. Da hat es sich wohl jemand etwas zu einfach gemacht.“

amusio: „Ihr könntet auch einfach mal die gravierenden Unterschiede zwischen Radare und den üblichen Verdächtigen aufzeigen…“

Fabian Bremer: „Gerne. Bei den Arbeiten von Badalamenti, zumindest bei denjenigen, die ich besonders gut kenne und sehr schätze, genügt vielleicht allein der Hinweis darauf, dass es sich bei ihnen um Filmmusik handelt. Bohren machen sehr gleichförmige, in sich geschlossene und absolut konsequent ausgeführte Stücke. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir sind bei weitem nicht so stoisch. Die klangliche Ästhetik weist sicher Parallelen oder zumindest Ähnlichkeiten auf, aber in puncto Komposition und Arrangements werden die Unterschiede doch sehr deutlich. So deutlich, dass sie eigentlich auch recht schnell auffallen sollten.“

Jobst M. Feit: „Gerade auch hinsichtlich der Dynamik weisen wir Charakteristika auf, die es bei Bohren schlicht nicht gibt, noch nicht einmal als sporadischer Bruch. Ich vermute, wir sind Opfer des Umstands, dass es nicht so wahnsinnig viele Bands gibt, die einen vergleichbaren Sound haben. Es existieren zig Bands, die nach Mogwai klingen, doch schmiert ihnen das keiner aufs Brot. Wir aber sitzen in der Falle der Originalität (lacht).“

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