Interview mit She Past Away

„Ich hasse das“

amusio: „Dass Narin Yalnızlık spürbar schroffer und in sich gekehrter, konsequenter und somit auch kontingenter ausgefallen ist – als Euer vergleichsweise ausgesprochen eingängiges Debütalbum Belirdi Gece – war also auch ganz in Deinem Sinne?“ 

Volkan Caner, She Past Away (Stephan Wof)

Volkan Caner, She Past Away (Stephan Wof)

Doruk Ozturkcan: „Absolut. Und Deine Einschätzung trifft die Sache. Von dem internationalen Erfolg unseres Debütalbums ermutigt, haben wir uns getraut, und von uns beiden in erster Instanz Volkan, mehr Emotion, mehr persönliche Verzweiflung und Depression einzubringen. Weniger zu abstrahieren. Das hat nicht allen gefallen, denen Belirdi Gece gefallen hat…“

amusio: „Wodurch Ihr aber dem Genre wieder Glaubwürdigkeit verschafft habt…“

Doruk Ozturkcan: „Es ist ein aussterbendes Genre. Angesichts dessen ist Glaubwürdigkeit nur ein ausgesprochen ephemeres Gut. Gut möglich, dass She Past Away ohne die Idee des Punk nicht entstanden wäre, sich nicht mit den Mitteln des Goth oder Dark Wave hätte artikulieren können, so es ihn nicht zuvor schon gegeben hätte. Wir sind keine Innovatoren. Aber der musikalische Stil, zu dem wir uns bekennen, erweist sich als kongruent zu unserem Denken und Empfinden.“

amusio: „Ihr seid immens viel unterwegs, wart schon in Mexiko, bald geht es nach Südamerika. Beeinflussen die Erfahrungen, die Ihr als Band macht, nicht auch Eure Kreativität?“

Doruk Ozturkcan: „Nein. Denn wir müssen ja immer wieder in die Türkei zurückkehren. Es frustriert uns zu sehen, dass wir aufgrund unserer Abstammung nicht wirklich an dem teilhaben können, was uns das unterdrückerische System unserer Heimat verwehrt. Südamerika ist ein gutes Beispiel für das Dilemma, das uns betrifft. Die Menschen dort erinnern uns aufgrund ihrer Begeisterungsfähigkeit an unsere Landsleute. Südamerikaner, so wie wir sie kennen oder vermuten, also ohne Klischees bedienen zu wollen, suchen stets auch die körperliche Nähe, um dem fremden Gegenüber zu zeigen, dass sie ihn wertschätzen. Es wird gedrückt und geherzt, wo es nur geht. Und das ist schön.“

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