Interview mit She Past Away

„Ich hasse das“

Die Aufgaben verteilt, die Gesinnung eint: She Past Away (Stephan Wolf)

Die Aufgaben verteilt, die Gesinnung eint: She Past Away (Stephan Wolf)

amusio: „Und in der Türkei? Worauf bezieht sich in diesem Zusammenhang das Dilemma, das Du gerade angesprochen hast?“

Doruk Ozturkcan: „In der Türkei würde ich lieber gar nicht mehr auftreten. Es gab mal eine kleine Szene in Bursa, für die wir häufig auf die Bühne gegangen sind. Doch die hat nach und nach das Interesse an uns und an der Szene, und an sich selbst verloren. Das kann ich gut verstehen, wer will schon immer nur dieselbe Band sehen?! Aber dass sich die lokale Szene sozusagen komplett verlaufen hat, ist auch Folge des immensen Drucks, der auf offiziell Andersartigen oder Freidenkern generell in der Türkei lastet.“

amusio: „Und dann kam die Sache mit dem französischen Modelabel…“

Doruk Ozturkcan: „Genau. Weil unsere Musik für einen stylischen, aber uns völlig wesensfremden TV-Spot Verwendung fand – wir haben der Versuchung, der Verwendung zuzustimmen, nicht widerstanden – waren wir auf einmal in quasi in aller Munde. En vogue. Die Verbindung Türkei und Dior schmeichelte dem türkischen Weltgeist. Seitdem kommen zu unseren Konzerten fast ausschließlich Typen, die mit unserer Musik nichts anfangen können. Ich hasse das. Wir wollen das nicht mehr machen.“

amusio: „Im Sinne der Distanzierung hättet Ihr ja auch die Lyrics vom Türkischen ins naheliegend Englische übertragen können…“

Doruk Ozturkcan: „Das tun wir ja auch. Zu Belirdi Gece existieren inzwischen sieben Übersetzungen. Alles Freundschaftsdienste. Darum dauert es mit den Übersetzungen zu Narin Yalnızlık wohl auch noch eine Weile. Ich kann nicht beurteilen, ob etwa die portugiesische Version sprachlich korrekt ausgefallen ist. Aber ich vertraue den Menschen, die sich ihrer annehmen.“

amusio: „Der Gemeinschaft der vorzüglich in schwarz Gewandeten?“

Doruk Ozturkcan: „Ich verstehe, was Du meinst. Und ja, in der so genannten Szene fühlen wir uns ausgesprochen wohl. Das sind durchweg ungemein gebildete, kultivierte und weltoffene Menschen. Und das ungeachtet eines erlangten Bildungsgrads. Die Erkenntnis des Übels und der Zweifel an der Machbarkeit seiner Korrektur verbindet. Wir spüren diese offene Übereinkunft. Scheiße ist nur, dass sie in der Türkei nicht hilft.“ 

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