Helen Heart (Stephan Wolf)
Helen Heart (Stephan Wolf)

amusio: „Du hast dir gerade alten Blues als Einstimmungsmusik gewünscht. Warum?“

Helen Feng: „Ich bin in den Südstaaten aufgewachsen, in Texas und Louisiana. Gil Scott-Heron geht für mich als Erneuerer von Style und Form fast immer.“

amusio: „Auch Dein Album bedient sich der Anleihen. Weniger beim Blues oder Gil Scott-Heron, doch von den von B-52s über Blondie bis Patty Smith klingt bei Dir jede Menge an. Ist Nova Heart retro?!“

Helen Feng: „Ich hasse das Wort retro. Es nimmt den Kontext weg. Und verwischt den Unterschied zwischen Style und Ideologie. Meine Ideologie habe ich von meinen Eltern übernommen, vielleicht auch von Gil Scott-Heron. Doch die Übertragung in Musik ist Style. Und der kann keine Authentizität im Sinne der Originale für sich beanspruchen. Im Original sind einmalige Gefühle und Erfahrungen eingefasst. Man kann sich ihnen nur über den Style nähren. Sie zu ersetzen oder reproduzieren zu wollen, ist ein zum Scheitern verurteilter Täuschungsversuch.“

amusio: „Warum hast Du dann Patti Smith gecovert?“

Helen Feng: „Ihr Style ist Teil meiner Ideologie. Sie hat den Sexismus eines Mick Jagger auf links gedreht. Die Fronten gewechselt. Doch wenn ich sie interpretiere, dann ist das mein Style. Ihr Style ist für mich irrelevant, da er einem anderen Kontext entstammt. Ich imitiere nicht. Nur Abklatsch ist retro.“

amusio: „Aber sexy ist Nova Heart auch, ähnlich sexy wie Patti Smith oder Mick Jagger…“

Helen Feng: „Ach komm. Die gesamte Gesellschaft ist over-sexed, auch die ganze Gender-Identity wird viel zu stark betont. Humanität und somit auch Sex sind universal. In China wird dem auf eher subtilen Wegen Ausdruck verschafft, während das sexuell fixierte Christentum samt seines Kontrollwahns viel zu viel Aufhebens um die Sexualität macht.“

amusio: „Foucault.“

Helen Fang: „Genau. Und andererseits: Wenn nicht soviel darüber geredet werden würde, würde vielleicht mehr und besser gevögelt. Was meine Musik betrifft, nun, so habe ich es noch nie auf ihr gemacht. Als ein Kaleidoskop der Emotionen beinhaltet meine Musik sicher auch den sexuellen Aspekt, doch denke ich nicht, dass er zur Dominanz neigt. Auch wenn das christlich indoktrinierte Publikum sich dies vielleicht wünschen würde.“

amusio: „Darf man Deine Musik dennoch als Stimulanz verwenden?“

Helen Feng: „Den Gedanke finde ich toll, aber er macht mich nicht unbedingt scharf (lacht). Ich würde es ja gerne mal zu extrem schnell gespieltem Metal ausprobieren, aber ich bin wohl nicht der Typ dazu. Oder ich bin dem entsprechenden Partner noch nicht begegnet (lacht laut). Als Stimulanz finde ich Metal super, während des Vollzugs wohl eher nicht. Ob sich meine Hörer meine Musik davor, während oder danach zu Gemüte führen, ist mir tatsächlich egal.“

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