Der finstere Tenor von ungeklärter Identität, äußerlich zwischen dem Phantom der Oper und einem Gothic-Posterboy changierend, erscheint auf seinem Konzert im Kölner E-Werk als ein freundlicher, nahbarer (und auch spürbar nervöser) Sympathieträger. Sein Konzept, mit dem er die populärsten „Highlights“ der klassischen Musik mit rockigem Pomp aufleben zu lassen gedenkt, trägt sich indes noch nicht gänzlich.

The Dark Tenor mit E-Gitarre (Stephan Wolf)
The Dark Tenor mit E-Gitarre (Stephan Wolf)

Der Bühnenaufbau beeindruckt: Zwei Kits für Schlagzeug und Perkussion versprechen rhythmische Opulenz, ein Streichquartett vielleicht sogar mehr als nur einen optischen Akzent. Doch kaum erscheint der ehemalige Kruzianer mit US-amerikanischen Wurzeln auf seinem Arbeitsplatz, verflüchtigt sich das wohlige Prickeln, das die Aussicht auf ein sinnlich überwältigendes Ereignis zuvor noch ausgelöst hatte.

The Dark Tenor hat sich dazu entschieden, eben nicht das mysteriöse Schattenwesen zu geben. Sondern einen Conferencier der lockeren Ansprache, der von Anfang an sein Publikum zu den üblichen (Un-)Sitten, zuvörderst zum Mitklatschen, animiert. Um so die größtmögliche Distanz zum Opernhaus zu schaffen. Doch so recht will der Funke der Ausgelassenheit nicht überspringen. Das Publikum ist auch schlicht zu heterogen, um gemeinsam Party feiern zu wollen.

Es ist dem Dark Tenor anzumerken, dass er das Hauptproblem seines Auftritts wiederum bemerkt. Und er noch nicht die Souveränität besitzt, mit der Sterilität von Set und Setting zu brechen. Sogar auf seine Stimme scheint sich die Unsicherheit auszuwirken. Bei manchen Passagen erweckt er den Eindruck, als ob es während seines Vortrags unschlüssig sei, wie er seine Vermögen als Rockröhre, Popsänger und klassischer Tenor dosieren soll.

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