Jean-Michel Jarre - Electronica 1: The Time Machine

Theorie und Praxis des Verschmelzens

Morgen erscheint mit Electronica 1: The Time Machine (Columbia/Sony Music) das erste von zwei neuen Alben des französischen Pioniers der populären Unterhaltungselektronik Jean-Michel Jarre. Es enthält, wie auch der im kommenden Frühjahr erscheinende zweite Teil, ausschließlich Kollaborationen. „Kreuzungen von DNA“ (so Jarre) mit einer gleichermaßen beeindruckenden wie erlesenen Auswahl an Erbgutspendern. Doch nicht nur alte (Tangerine Dream, Laurie Anderson, Vince Clarke) jüngere (Air, Moby, Armin van Buuren, 3D/Massive Attack) und junge Granden (Boys Noize, Fuck Buttons) der elektronischen Musik kommen an seiner Seite zum Zuge.

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Jean-Michel Jarre: "Electronica1: The Time Machine (Columbia/Sony Music)

Jean-Michel Jarre: „Electronica1: The Time Machine (Columbia/Sony Music)

Denn unter den illustren Gästen finden sich auf dem ersten Teil des (wie bei Jean-Michel Jarre üblich) groß gedacht angelegten Projekts zumindest zwei Namen, die aus dem gegebenen Kontext der Auseinandersetzung mit dem Genre zu fallen scheinen: Pete Townsend und Lang Lang.

Während die Premiere des Star-Pianisten am Digitalklavier mit J-M Jarres Selbstreferenz an Equinoxe interagiert (The Train & The River), verblüfft Travelator (Part 2) mit einem feisten Rocker, der direkt (und eben nicht indirekt) bei The Who anzuschließen scheint. Beide Tracks ragen aus einer Doppelalbum-Hälfte heraus, die trotz aller Diversifizität die große Klammer nicht vermissen lässt: die gedankliche Leistung und musikalische Leitung des Großmeisters.

Für „Leute vom Fach“ dürfte der Merger mit Tangerine Dream (Edgar Froese) einen exorbitanten Stellenwert genießen, treffen hier doch zwei originär kontingente Ideologien aufeinander. Die von der Autonomie (TD) und der faktischen Anwendung der elektronischen Klangerzeugung, so Jean-Michel Jarre deren Inszenierung „on top“ stets als Teil des Ganzen anzunehmen verstand. Doch sein Hang zum seichten Gigantismus bleibt nicht nur hier außen vor.

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