Boris Steinberg - Wilde Pferde … in meinem Körper

Selektiv, subjektiv und kühn

Am 6. November erscheint mit Wilde Pferde … in meinem Körper das neunte Studioalbum des Berliner Chansonniers Boris Steinberg (Timezone/Timezone Distribution). Dass es sich bei den im Titel aufgeführten Rössern durchaus auch um Seepferdchen handeln kann, kennzeichnet die ihr eigenes Niveau nicht auch nur einmal unterschreitende Qualität des tradierten Sinnschöpfers: Klare Worte mit einer lakonisch-sarkastischen Mehrdeutigkeit auszustatten, die nachwirkt und zahllose Anknüpfungspunkte anbietet, ohne anzubiedern.

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Boris Steinberg: "Wilde Pferde ... in meinem Körper" (Timezone)

Boris Steinberg: „Wilde Pferde … in meinem Körper“ (Timezone)

Eingebettet in eine angemessen dezent akzentuierende Begleitung (Tobias Schmidt an der Gitarre) dreht Boris Steinberg am Kaleidoskop seiner Stadt. Doch, so das Berlin-Kolorit nicht allzu eindeutig ausfällt (Berliner Nasenbluten), betrachtet er kühn, selektiv und subjektiv ein Geschehen, wie es sich, zumindest in unseren Breitengraden, überall ereignen mag, wo sich Menschen nicht aus dem Weg gehen können. Das bereits im Jahr 2000 entstandene und nun neu aufgelegte Tätowierte Kreuze darf im diesem Sinne sogar schon als ein Klassiker der urban expressiven Liedkunst anerkannt werden. Doch will es scheinen, als ob dieser Rückgriff auch die Ausrichtung der neuen Lieder unterschwellig angeleitet habe. So greift Viele Dinge bleiben unbemerkt eine Tätowierung als Metapher wieder auf: Naheliegend, doch dabei weitaus weniger profan und verbraucht, wie vieles von dem, was einem ansonsten so alles „unter die Haut gehen“ soll.

Es ist sein Stil, der in jedem Moment aus und für Boris Steinberg spricht. „Ich bin nicht dramatisch, auch nicht polemisch, (…) ich bin nur viel zu dünn für all den Quatsch, der da draußen passiert, ja das ist wirklich sehr subtil“ (Titeltrack): Würde man ihm diese sporadische Dünnhäutigkeit, die aus Selbstzweifeln Souveränität ableitet, dem Wortsinn nach abkaufen, sähe man sich gezwungen, die begehrenswerte Subtilität aus dem Kanon der Prädikate zu streichen. Doch die Verbindlichkeit des Interpreten – hier auch von Gilbert Lafaille (Lauter Wunder) und Paula Turci (Genieße die Stimmung an diesen Tagen) – mag inhaltliche Fragen aufwerfen, in Zweifel zu ziehen ist sie freilich nicht.

Live!!!
06.11. Berlin (Theater O-Tonart)
27.11. Berlin (Corbo Kleinkunstbühne)

boris-steinberg.de
timezone-records.com

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