Le Very sind ein Phänomen. Diese Aussage, gleichermaßen nichts- wie vielsagend, manifestiert sich allein schon anhand der Tatsache, dass sich das Feuilleton mit der Verortung der Band schwertut. So etwa auch hier oder dort. Nachdem die voneinander abweichenden, verkehrsbedingten Strukturprobleme der Metropolen „Berlin“ und „Köln“ erörtert worden waren, ergab sich im Blue Shell („das Rheinische“) ein Plausch ansatzweise aufklärender Natur, bevor Le Very den Club kurzerhand in eine Endorphin geschwängerte Tanzbude verwandelten.

Twist, Klogriff, Didaktik: Nikolas Tillmann denkt nach (Stephan Wolf)
Twist, Klogriff, Didaktik: Nikolas Tillmann denkt nach (Stephan Wolf)

amusio: „Hi Naemi und Nikolas, Le Very ein mondän-urbanes Glamour-Flair mit Berlin-Touch zu unterstellen, wäre eine probate Möglichkeit der generellen Deutung. Die Inkriminierung, Le Very bevorzuge die Erzeugung von sophistiscated Party-Mucke eventuell eine andere…“

Nikolas Tillmann: „Es gilt: sowohl als auch. Le Very lebt von Kontrasten und Überraschungen. Natürlich mögen und machen wir Party. Haben aber auch sehr deepe, ruhige und emotionale Songs am Start, die sich nicht gerade durch Helligkeit und Glanz auszeichnen. An Definitionen haben wir kein Interesse und bleiben prinzipiell offen.“

Naemi Simon: „Le Very sind fünf Leute. Da haben wir schon mal fünf tolle Meinungen. Welche sich davon durchsetzt, ist grundsätzlich nicht absehbar.“

amusio: „Wer hat das letzte Wort?“

Naemi Simon: „Ich (lacht).“

Nikolas Tillmann: „Die Aufgabenverteilung setzt personelle Schwerpunkte. Was die Musik an sich betrifft, so haben wir Jungs schon eine Art Vorreiterfunktion. Doch es geht bei Le Very eben nicht nur um die Musik. Packaging und Performance sind ihr ebenbürtig. Und da haben die Mädels die Hosen an. Aber dieses Kräfteverhältnis könnte sich jederzeit auch wieder verändern.“

amusio: „Die Rezeption gerät da mitunter ins Schleudern. Wie habt Ihr die Wahrnehmung von Le Very bislang wahrgenommen?“

Nikolas Tillmann: „Oftmals wird der Witz an der Sache noch nicht so richtig erkannt, aber: was ist schon richtig?! Wir haben ja auch noch längst nicht alles gesagt, so wird unser Performance-Charakter zukünftig sicher noch weiter vertieft, vielleicht sogar ausgeschöpft werden.“

Naemi Simon: „Wir sind auf der Suche. Auf der Europa-Tour mit Zoot Woman haben wir beispielsweise Erfahrungen gesammelt, die sich erst jetzt manifestieren. Wir möchten auch Dinge ausprobieren, die nicht funktionieren. Doch erst der Versuch macht klug. Wir haben uns mal überlegt, wie geil es doch wäre, wenn jedes unserer Konzert komplett anders verlaufen würde. Vielleicht ist es unterschwellig genau das, woran wir arbeiten.“

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