Interview mit Joe Casey (Protomartyr)

„Ich fühle mich niemals wohl in meiner Haut“

Bevor Protomartyr, eine Post-HC-Band aus Detroit, das Kölner MTC in bleibende Entzückung versetzte, offenbarte Sänger Joe Casey einige erhellende Informationen, die das Unerhörte am aktuellen Longplayer ‚The Agent Intellect‘ nachvollziehbar machen. Selbstüberwindung, Restzweifel und Experimentierfreude konnten anschließend nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Konzert zu einem Fest der Selbstertüchtigung entwickeln sollte.

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Joe Casey, Protomartyr, MTC, Köln (Stephan Wolf)

Joe Casey, Protomartyr, MTC, Köln (Stephan Wolf)

amusio: „Hi Joe, mein Vorname weist eine Entsprechung zum Bandnamen auf…“

Joe Casey: „Ja, dessen bin ich mir nun durchaus bewusst. Es gab da andere Ideen. Butt Babies oder Idiot Manchild, zum Beispiel. Aber der Name Protomartyr verlieh der ganzen Angelegenheit mehr Seriosität. Wir haben als Partyband angefangen. In Wohnzimmern zum Biersaufen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass mehr dahinter steckt. Und ich bin saufroh, dass wir diesen Switch, von bedeutungslosen Spaßmachern hin zu einer Band, die etwas zu sagen hat, haben vollziehen können.“

amusio: „Vor uns liegt ein Exemplar von ‚The Agent Intellect‘. Bist du stolz auf das Vorliegende?“

Joe Casey: „Ja, ich bin stolz auf diese Platte. Sie dokumentiert den besagten Switch. Gut, auf den ersten Longplayer [No Passion, All Technique] war ich in gewisser Weise noch – kann man das sagen? – stolzer. Was für eine Befreiung von der eigenen Unsicherheit! Die allerdings zu weiteren Verunsicherungen geführt hat. Ich fühle mich niemals wohl in meiner Haut. Daran ändert auch ‚The Agent Intellect‘ nichts. Aber ich lasse mein persönliches Unwohlsein nicht mehr so heraushängen. Und mich selbst nicht mehr nur zum Sklaven meiner psychischen Disposition machen. Protomartyr gibt mir Selbstvertrauen. So wie ich es zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Und ich werde auch immer besser darin, Interviews zu geben (lacht).“

amusio: „Wobei dabei dir die Herumreiterei auf deine Herkunft mittlerweile schon auf den Sack geht, oder?“

Joe Casey: „Detroit ist überall! Aber diese Erkenntnis habe ich erst aufgrund der Touren mit Protomartyr erfahren dürfen. Dabei habe ich kaum etwas von den Orten gesehen, an denen wir gespielt haben. Auch jetzt nicht, es ist Spätherbst, es wird früh dunkel. Aber nun weiß ich, dass die Scheiße, die in Detroit passiert, nicht nur in Detroit passiert. Doch, was soll es?! Die antiken Griechen sitzen ja auch nicht herum und bejammern ihren geistigen Untergang. Die neuen Griechen haben jetzt ganz andere Probleme. Wären Probleme ein Gut, wären wir alle unermesslich reich.“

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