Gegen Ende einer ausgedehnten Gastspielreise verwöhnen Caspian ihre Kölner Zuhörer mit einem ausgedehnten Zugabenblock, auch um ihrer besonderen Verbundenheit und einer gewissen Rührung Ausdruck zu verleihen. Dabei genügt bereits das Hauptset vollends, um unter Aufbietung von nuanciert justiertem Hochdruck und maximaler Lautstärke eine Ergriffenheit zu säen, wie sie angesichts der Schnörkellosigkeit, mit der die Band aus Massachusetts zu Werke geht, leider nur allzu selten erlebbar wird. Andererseits wäre Caspian allabendlich wohl auch kaum auszuhalten. Hauptsache, sie haben die Tour durchgehalten.

Arbeit des Bearbeitens: Jo Quail (Stephan Wolf)
Arbeit des Bearbeitens: Jo Quail (Stephan Wolf)

Jo Quail eröffnete den Abend mit einigen Kostproben ihrer charakteristischen Bearbeitung ihres Starfish Elektro-Cellos. Wie bei ihr beinahe üblich sogar mit einer Premiere, dem Track Salamander. Später gesellten sich Joe Vikers (Schlagzeug) und Jani Zubkovs (Bass) von Caspian hinzu und sorgten mit Adder Stone für einen ausgesprochen kraftvollen Abschluss. Dieser Höhepunkt mag einen Hinweis darauf geben, dass sich der spezielle Reiz, Jo Quail live zu erleben, doch etwas verliert, sobald sich der Überraschungseffekt ihrer Klangerzeugung aufgebraucht hat. In Kombination mit weiteren Instrumenten dürfte sich der Horizont für Jo Quail hingegen kaum je verengen.

Mit den heftigsten Ausbrüchen des aktuellen Albums Dust And Disquiet starteten Caspian in ein Set, das über die gesamte Dauer nichts von seiner energisch dargebotenen Intensität einbüßt. Auch wenn es im weiteren Verlauf tendenziell etwas ruhiger (aber keineswegs minder laut) zugeht, bleibt der massive Impact beibehalten, die „Hits“ des letzten Drittels zehren sogar von einer Dynamik, die Caspian bei früheren Auftritten eher vermissen ließen. Eine derartige Performance nennt man wohl „perfekt austariert“.

Caspian, the Mindblowers, Live im Underground, Köln (Stephan Wolf)
Caspian, the Mindblowers, Live im Underground, Köln (Stephan Wolf)

Reduziertes Licht, eine entschlossen energetische Körpersprache auf der Bühne und dazu ein zumeist ungebrochen glasklarer Sound, der jedoch dazu angetan war, sämtliche unbeaufsichtigte Gläser im Saal am Boden zerschellen zu lassen. Da wäre so manche Metal-Combo vor Neid erblasst. Oder eher in Ehrfurcht versunken, wie auch das Gros der anwesenden Genießer – angesichts einer an Intensität (und an emotionalem Anspruch) kaum zu überbietenden Leistung.

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