Angesichts der erstaunlichen Begehrlichkeiten, die der Venezolaner Alejandro Ghersi alias Arca bei den Granden des Mainstream-Pop (u.a. Kanye West) hervorzurufen vermag, dürften nicht wenige Marktstrategen vermutet haben, dass der Nachfolger zum Debütalbum Xen irgendwie geschmeidiger ausfallen würde. Doch auf Mutant (Mute/GoodToGo) bekennt sich Arca noch entschlossener zum Reiz des Abseitigen und zum Verzicht auf konventionelle Denkmuster und Hörgewohnheiten.

Arca: "Mutant" (Mute/GoodToGo)
Arca: „Mutant“ (Mute/GoodToGo)

Dabei macht es sich der inzwischen in London ansässige Producer auch in eigener Sache alles andere als leicht. Jedes Fitzelchen seiner Soundgebilde stattet er mit einer Sinnstiftung aus, die sich auch dort unweigerlich erfühlen lässt, wo die Kognition in den Streik zu treten droht. Der Mehrwert des über einstündigen Erlebnisses von Mutant scheint schier unermesslich zu sein. Um diese Einschätzung nachempfinden zu können, muss gar nicht erst die ohnehin fragwürdige Position eines „geübten“ oder sonst wie kundigen Hörers eingenommen werden.

Arca liebt das Risiko, das Experiment an sich ist allenfalls Teil seines Ansatzes, Wagnis und Vision offensiv anzugehen. Gerade indem er sie an den mitunter arg demolierten Oberflächen boykottiert, gelingen ihm subtile Spannungsbögen, wo anderenorts nur noch willentliches Chaos regiert. Dabei gönnt er sich und seinen Hörern immer wieder Momente der Entspannung, die wie ein Verharren im (Alp-)Traum anmuten (Else, Extent) und dort Überblick und Atemluft verschaffen. Die plötzliche Mutation als Teil einer fortlaufenden Evolution wird von Arca interpretiert. Und zwar in einer Weise, die keineswegs als „mustergültig“ zu etikettieren beliebt.

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