In Monceau-sur-Sambre, einem Vorort von Charleroi, trafen sich Francis Pourcel und Alain Neffe von 1973 bis 78 Sonntag für Sonntag daheim mit Freunden (Daniel Malempre, Paul Kutzner, Gm Hinant) zum Musizieren. In Sichtweite zu den Gleisanlagen, Zechen und Hütten der im Abstieg befindlichen wallonischen Schwerindustrie entstanden improvisierte Bastarde aus Space Rock, Kraut, Anarcho-Prog-Psychedelia und No Wave Jazz, die ab und an von einem Sony TC63-Cassettenrekorder mitgeschnitten wurden. Kosmic Music From The Black Country (Sub Rosa) macht einen repräsentativen Querschnitt dieser Sessions endlich in gültigen Formaten zugänglich: als Doppel-Vinyl, CD, DL.

Kosmose: "Kosmic Music From The Black Country" (Sub Rosa)
Kosmose: „Kosmic Music From The Black Country“ (Sub Rosa)

Es fällt schwer, die patiniert abgefahrenen Tondokumente von Kosmose zu erleben, ohne dabei das (post-) industrielle Umfeld ihrer Entstehung vor dem geistigen Auge in Erscheinung treten zu lassen. Was heute als Industriekultur (Völklinger Hütte, Zeche Zollverein) vermarktet wird, fand sich dereinst flächendeckend zwischen Lüttich, Namur, Mons und Charleroi. Für den ästhetischen Reiz dieser Environments konnte man sich in den Siebzigern angesichts der grassierenden Umweltbelastung und der einsetzenden Dauerkrise kaum erwärmen. Heute gehört die Region zu einer der wirtschaftlich schwächsten, also ärmsten Westeuropas.

Ob die Aktivitäten von Kosmose als Konfrontation angedacht oder als Eskapismus verstanden wurden, lässt sich anhand von Kosmic Music From The Black Country nur klären, wenn der Begriff der „kosmischen“ Musik wörtlich genommen wird. In ihr bietet zumeist die Gitarre (Francis Porcel) trotz ihrer Ausschweifungen einen Rest von Halt, während die Keys (Alain Neffe) sämtliche weiteren in Anwendung befindlichen Instrumente (einschließlich der entfesselten Perkussion) zu einem Gegenpol hin verdichtend mitreißen.

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