Eventuell trägt die Begeisterung für das aktuelle Album von Riverside (Love, Fear And The Time Machine) eine Mitschuld daran, dass das nicht minder großartige Hiraeth (Glassville Records/Soulfood) der polnischen Landsleute und Tour-Begleiter Lion Shepherd bis dato ein wenig zu wenig gewürdigt wurde. Dabei handelt es sich bei dem ersten Langspieler von Kamil Haidar (Maqama) und Mateusz Owczarek, einem der talentiertesten Gitarristen dieser Zeit, um nichts weniger als ein kleines Meisterwerk zwischen abendländischem Modern Prog und orientalischen Einflüssen, die mehr als nur schmückendes Beiwerk darstellen.

Lion Shepherd: "Hiraeth" (Glassville Records/Soulfood)
Lion Shepherd: „Hiraeth“ (Glassville Records/Soulfood)

Jahiar Irani und Rasm Al Mashan (Soomood, Naxos Orchestra) steuern instrumentelle Reize bei, die sie der syrischen Laute, dem iranisch/irakischen Santur (eine Art Psalterium) und indisch-arabischer Perkussion entlocken. Eingebettet werden diese klanglichen Erlebnisse in ein profundes Progrock-Set, das den Vergleich mit den Größen des Genres nicht zu scheuen braucht. Man nehme etwa Past In Mirror – und fühle sich auf angenehmste Weise an Porcupine Tree erinnert.

Für die Eigenständigkeit sorgt, neben den orientalischen Einflüssen, vor allem das beeindruckend phantasiebegabte Gitarrenspiel des Mateusz Owczarek, welches den überwiegend im Midtempo gehaltenen Songs Dynamik und Emotion verleiht. Auch die Texte geizen nicht mit Aussagen, die sich der Phrasendrescherei entziehen. Doch auch hierzu sei an dieser Stelle nicht mehr verraten. Immerhin gilt es, Hiraeth am eigenen Leibe zu erfahren. Diese Melange aus „fremden“ Einflüssen und einer zeitgemäß nachdenklichen Haltung verdient ein großes Publikum.

Lights Out:
youtube.com/watch?v=KnB5k4ftYks

Past In Mirror (Lyric Video):
youtube.com/watch?v=-StQXJdb9QA

lionshepherd.net
facebook.com/lionshepherd

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