Lady Body, Sir Bottom und Herr Geisha, aus Frankreichs Hammer-Metropole Nr. 2 (Lyon) vollziehen – nach dem Debüt We Are The Boobs (2011), dem eigentümlich zurückhaltenden One-Tracker Sea/Sons und dem potenziellen Hit-Album TheDeadMachineThatGoesPing vom nahezu vorvergangenem Jahr – mit Book Of Mutations (Atypeek Music/Dur et Doux) einen angemessen plausiblen Stechschritt in die Unvernunftbegabung. Denn anstatt Noise mit anti-autoritär gemeinten Schabernack zu entkräften, gelingen ihnen Passagen auf Passagen, die kaum eine definierte Herzensbildung zulassen.

Herr Geisha And The Boobs: "Book Of Mutations" (Atypeek Music/Dur et Doux)
Herr Geisha And The Boobs: „Book Of Mutations“ (Atypeek Music/Dur et Doux)

In der Tradition exorbitant dubioser Religionsgemeinschaften wird das Buch der Mutationen in Chapter aufgeteilt, insgesamt verteilen sich derer neun auf gut 47 Spielminuten. Dass unabhängig von dieser Einteilung das gute Teil – bitteschön – im Ganzen zu vernehmen ist, versteht sich von selbst.

Denn nur so kann die gebotene Reizflutung ihren verstörenden Glamour entfalten, der sich seinen DIY-Charme, die stets knapp „daneben“ agierende Gitarre allen/m voran, durchgängig bewahrt.

The Rubiks oder Palace Brothers geben Herr Geisha und die Boobys, pardon, Titten („des seins, des seins, je prendrais trois“, Anm. d. Autors) u. a. als Einflüsse an. Slint, Tortoise werden, zumindest von außen, gleichfalls eingebracht, doch auch Fugazi: Wodurch die angedichtete Postrock-Balance – völlig zurecht – aus den Fugen gerät.

Im Prinzip ist das psychedelisch verschlagener Ars Povera-Prog, begehrt der Klugscheißer auf. Im Nachhinein eine Scheibe, die ihr Format so dermaßen mit Widrigkeiten zu füllen weiß, dass dem Unvoreingenommen das Sagen vergeht, so er einfach nur mal zuhört.

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herrgeishaandtheboobs.bandcamp.com

atypeekmusic.com

 

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