Louis Minus XVI – Kindergarten

Kita-Core mit kleiner und größerer Tröte

Im lauschigen Nirgendwo zwischen Jazzcore light und Blurtscher No Wave/Punk Kauzigkeit operieren Louis Minus XVI (je nach Quelle „Seize“ oder „Sixteen“) aus Lille auf ihrem Album Kindergarten (Atypeek Music/Be Coq Records), dem ersten nach Birds And Bats, ihrem Debüt. Alt (Adrien Douliez) und Tenor-Sax (Jean Baptiste Rubin), akzentuierend bis deftig begleitet von Bass (Maxime Petit) und Schlagzeug (Fréderic L’homme): Das ist neu, das ist anders, das ist gut!

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Louis Minus XVI: "Kindergarten" (Atypeek)

Louis Minus XVI: „Kindergarten“ (Atypeek)

Majestätisch polternd startet das Quartett mit La Marche in seine Tour de Semi-Force. „Semi“, da bereits das folgende, über 8 Minuten währende More Friends auf sanften (wenn auch an einer erfreulichen Fehlstellung laborierenden) Pfoten daherkommt, bevor die beiden Rotzkannen aus ihrer anfänglich schüchternen Zuneigung heraustreten und zu einem leidenschaftlichen Verkehr – ineinander – übergehen. Spannend wie Spannen.

Sugar Old gerät dafür wieder zum Jazzcore-(Amateur-)Porno: Ästhetisierte Abweichungen von der Schönheitsnorm sorgen für den Kick – und für ein Schmunzeln, dem nur der frühe Helge einst gewachsen schien. Das partiell etwas zu vorhersehbar repetitiv gehaltene Columbine’s Twin könnte einer Seriosität geschuldet sein, die LMXVI auffahren, um dem Verdacht vom reinen Spaß an der Freude zu entgehen. Und doch trifft hier kuriose Zirkusmusik auf Klezmer-Assoziationen. Wer hier keinen Spaß versteht, hat den Witz nicht verstanden.

Das zehnminütige Bain Atlas markiert einen dräuend-düsteren Abschluss (Bain Total?!), dessen finaler Ausbruch trotz höchster Anspannung ausbleibt, was Übles erahnen lässt und das Faszinosum Kindergarten schürt. Anregender, sinnstiftender und lohnender als 34 Minuten in einer Kita ist dieses Album sowieso.

louisminus.com
louisminusseize.com
atypeekmusic.com

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