Ryuta Mizkami, Kennern der Post-Japanoise-Szene auch als Mooor, als (bessere?) Hälfte von Reshaft oder als Kollaborateur bei Motoro Faam ein Begriff, legt mit Workers (Comfortzone/Progressive Form) ein Album der herrlichen Überfülle vor. Polierte Frequenzgänge im permanenten Dauerfeuer der Diskontinuitäten sorgen für Kurzweil, das selbst den Vergleich mit dem überwundenen IDM eines Arca in Sachen synkopischer Luzidität nicht zu scheuen braucht. Sofern dieser überhaupt statthaft ist, und dessen Anrufung allein der subjektiven Überforderung geschuldet ist.

Mulllr: " Workers" (Comfortzone/Progressive Form)
Mulllr: “ Workers“ (Comfortzone/Progressive Form)

Die völlige Unkenntlichkeit der Fragmente, aus denen Mizkami/Mulllr springlebendige Dichte, Nichten und Neffen (im Sinne von „sounds familiar“) erzeugt, sorgt auf Workers in 21 auf 56 Minuten verteilten Episoden für eine graduelle Gewalterfahrung, die sich jedoch stets an einem lakonisch humorigen Elan reibt, der auf eine erfreulich lockere Haltung im Geiste des Jungmeisters schließen lässt. Die kompositorische Semantik ist vielmehr spitzfindig, denn aufgesetzt destruktiv oder gar defätistisch gewollt klingt hier nicht auch das kürzeste Fitzelchen.

Die Simultanität gleichberechtigt inszenierter Ereignisse, die barrierefreie Verzahnung von Beat, Bricolage und Soundeffekt und sicher nicht zuletzt die Fülle der freundlichen Hinterhalte, in die Mulllr den Hörer immer wieder zu locken versteht, machen aus Workers das herausragende Elektro-Album des späten Jahres. Und zu einer Hausnummer, die den Fokus erneut auf das post post post-Treiben im Staate Nippon ausrichten lässt.

mulllr.net
comfortzonemusic.com
mulllr.bandcamp.com
soundcloud.com/mulllr/and-tex

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